Sport : Starke Reaktion

Schalke gerät gegen Mailand zweimal in Rückstand und schafft noch ein 2:2

Richard Leipold[Gelsenkirchen]

Es gibt ein paar Dinge, die man als Gegner des AC Mailand unter allen Umständen vermeiden sollte. Früh in Rückstand geraten zum Beispiel. Sonst wird es gegen eine defensivstarke italienische Mannschaft noch unangenehmer, als es ohnehin schon ist. 20 Sekunden waren gestern zwischen Schalke 04 und dem AC Mailand im zweiten Gruppenspiel der Champions League vorüber, als Torhüter Frank Rost den Ball aus dem Tornetz holen musste. Milan führte durch ein Tor des Holländers Clarence Seedorf 1:0. Später gelang den Italienern auch noch das 2:1, doch die Schalker konnten zweimal kontern und kamen am Ende zu einem verdienten 2:2-Unentschieden.

Mit einem Doppelpass hatte Seedorf sich in der ersten Minute seiner Gegenspieler entledigt, aus 25 Meter Entfernung zog er ab. Rost sah in dieser Situation nicht besonders glücklich aus, auch wenn der Ball noch einmal aufsprang, ehe er unter seinem Körper hindurch über die Torlinie rutschte. Doch die Mailänder hatten nach dem drittschnellsten Tor in der Geschichte der Champions League gar nicht die Zeit, ihr Abwehrbollwerk zu organisieren. „Wir haben diesen Schock sehr schnell überwunden“, sagte Schalkes Manager Rudi Assauer. Bereits in der dritten Minute fiel der Ausgleich. Eine leicht abgefälschte Flanke von Lincoln köpfte Sören Larsen an Mailands Torhüter Dida vorbei ins Tor.

Schalkes Trainer Ralf Rangnick hatte die richtige Entscheidung getroffen, den Dänen von Anfang an spielen und dafür dessen Landsmann Ebbe Sand auf der Ersatzbank zu lassen. Bisher war Larsen nur nach Einwechslungen erfolgreich gewesen. Rangnick hatte dieselbe Mannschaft aufgeboten, die am Wochenende 2:0 gegen Hannover gewonnen und damit die kleine Krise des Klubs beendet hatte. Von den Fans in der Nordkurve wurde der zuletzt angefeindete Rangnick gestern Abend schon vor dem Anpfiff mit Sprechchören gefeiert.

Bei Mailand, einem der Favoriten auf den Gewinn des Wettbewerbs, standen immerhin noch neun Spieler in der Anfangsformation, die auch Ende Mai das Finale der Champions League bestritten hatten. Nur Verteidiger Jaap Stam und Stürmer Hernan Crespo fehlten aus der Mannschaft, die in Istanbul dem FC Liverpool nach Elfmeterschießen unterlegen war. An ihrer Stelle standen Kaladse und Neuzugang Gilardino in der Startelf.

„Wir dürfen nicht nur abwarten, was Milan macht“, hatte Rangnick kurz vor dem Anpfiff noch einmal gesagt. „Wir müssen volles Risiko gehen, Mailand unter Druck setzen.“ Das gelang den Schalkern zeitweise sehr gut. Nach dem 1:1 stellten sie das dominantere Team, kamen auch immer wieder zu Chancen. Die beste vergab Kevin Kuranyi nach zwölf Minuten. Lewan Kobiaschwili flankte von der linken Seite in den Mailänder Strafraum, doch Kuranyis Kopfball flog knapp am Pfosten vorbei über die Torauslinie.

In einer insgesamt munteren, zeitweise sogar atemberaubenden Begegnung konnten die Mailänder ihr einstudiertes Kombinationsspiel nur selten entfalten, das Schalker Tor geriet in der ersten Hälfte kaum noch in Gefahr. „Unsere halten sehr gut dagegen“, sagte Assauer in der Pause. Schalke begann auch die zweite Halbzeit überlegen und sehr engagiert. Vor allem Kuranyi, der eine Viertelstunde vor Schluss mit Krämpfen vom Platz musste, überzeugte durch seinen Einsatz. Umso überraschender fiel nach knapp einer Stunde das 2:1 für Milan. Paolo Maldini flankte von links mit dem rechten Fuß an den Fünfmeterraum. Der bis dahin unauffällige Andrej Schewtschenko hatte sich zwischen Rodriguez und Krstajic eingereiht und mangels direkter Bewachung keine Probleme, den Ball ins Tor zu köpfen. Rost war ohne Abwehrchance. Doch die Schalker konnten auch ein zweites Mal zurückschlagen, wenn auch diesmal mit etwas mehr zeitlicher Verzögerung. In der 70. Minute traf der gerade erste eingewechselte Hamit Altintop zum 2:2-Endstand. Es war ein kleiner Erfolg für die Schalker. Trotzdem rutschten sie in ihrer Gruppe auf den letzten Platz.

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