Sport : Starke zehn Minuten

Helen Ruwald

Seltsame Dinge fanden die Basketballfans von Alba Berlin gestern auf ihren Plätzen in der Max-Schmeling-Halle vor: Plastikröhrchen mit Leuchtflüssigkeit. Dreimal hatten die Berliner in der Basketball-Bundesliga zuletzt in Folge verloren. Nachdem die Spieler versagt hatten, waren die Zuschauer aufgefordert, die Wende zum Besseren herbeizuführen. Mit den Leuchtstäben sollten sie den Spielern gegen Avitos Gießen den Weg zum Sieg leuchten. Tatsächlich gewannen die Berliner das letzte Spiel vor den Play-offs mit 83:62 (50:29). Was der Sieg wert ist, wird sich erst heute im Spitzenspiel zwischen Leverkusen und Tabellenführer Bonn zeigen. Nur wenn die Bayer Giants verlieren, geht Alba als Vierter in das Play-off-Viertelfinale und hätte gegen Leverkusen im ersten, dritten und einem möglichen fünften Spiel Heimrecht.

Alba begann furios, führte gegen den Tabellensechsten auch ohne Dejan Koturovic(verletzt) und Stefano Garris (krank) nach dem ersten Viertel bereits 35:18. Acht Dreipunktewürfe verwandelten die Berliner in dieser Zeit: Dreimal war Marko Pesic erfolgreich, zweimal Jörg Lütcke und Wendell Alexis, einmal George Zidek. In den verbleibenden dreißig Minuten waren die Gastgeber nur noch mit vier Distanzwürfen erfolgreich und brachten es nur auf 15 bis 18 Punkte pro Viertel. Unter dem Korb gelang den Berlinern nicht viel, Derrick Phelps blieb als Spielgestalter schwach und machte erst im letzten Durchgang alle seiner sieben Punkte. Doch der Sieg war Alba nicht zu nehmen. Zu schwach waren die Gießener in der Verteidigung, zu katastrophal war ihre Freiwurfquote (48 Prozent), um den hohen Rückstand noch aufholen zu können.

Nach den Negativerlebnissen der vergangenen Wochen gelang dem Meister der Jahre 1997 bis 2001 ein versöhnlicher Abschluss der Punkterunde. "Das Spiel war wichtig für Stimmung und Selbstvertrauen", sagte Kapitän Henrik Rödl erleichtert. Nun gelte es, am kommenden Wochenende den Pokal zu gewinnen, "das wäre ein gutes Vorzeichen für die Play-offs". Bislang sei die Saison "durchwachsen" verlaufen, "es ist die Frage, ob wir uns davon erholen können".

"Die Saison war bisher enttäuschend. Wir gehen nicht als Favorit in die Play-offs. Das hat es seit Jahren nicht gegeben", sagte Marko Pesic. Diesmal gebe es fünf Favoriten, Frankfurt, Bonn, Köln, Leverkusen und Berlin. Trainer Emir Mutapcic sah in den vergangenen Monaten eine Mannschaft "mit zwei Gesichtern. Wir können Top-Basketball spielen und Erster werden. Aber wir hatten auch Phasen, in denen wir Spiele verschenkt haben. Das darf sich ein Profiteam nicht leisten. Das müssen wir abstellen." Meister oder Aus im Viertelfinale? Von Albas Gesicht wird es abhängen, ob es zum Triumph oder Desaster kommt. Dass die Mannschaft nach den Erfolgen der letzten Jahre satt sei, weist Marko Pesic jedenfalls zurück. "Wir sind heiß, keine Sorge."

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