Starker Start : Hertha, die neue Spitzenmannschaft

Hertha legt den besten Saisonstart seit acht Jahren hin. Mit ihrem geduldigen Fußball haben die Berliner schon 18 Punkte nach 10 Spieltagen.

Claus Vetter
Hertha BSC Berlin - Hannover 96
Berliner Feiertruppe. Pantelic (l.), Woronin und Nicu.Foto: dpa

Pal Dardai lachte, als er nach Spielschluss durch die Katakomben im Olympiastadion huschte. Hertha sei nun eben eine Spitzenmannschaft, rief der ungarische Mittelfeldspieler des Berliner Bundesligisten. Wenn es einer beurteilen kann, dann Dardai. Schließlich ist er inzwischen dienstältester Feldspieler bei Hertha und nun, nach dem 3:0-Sieg gegen Hannover 96 am Mittwoch, ist er Mitglied einer Mannschaft, die ihren besten Saisonstart seit acht Jahren hinter sich hat.

Hertha BSC hat nach zehn Spieltagen die Konkurrenz und wohl auch sich selbst überrascht. Selbst der nicht so schnell zufriedenzustellende Trainer Lucien Favre sagt, dass er mit 18 Punkten „sehr zufrieden“ sei. Die Gründe für den Erfolg kennt er auch: „Wir spielen mit mehr Geduld und viel mehr Ruhe als in der vergangenen Saison.“ Das sei für ihn die wichtigste Fortentwicklung des Projektes Hertha. Tatsächlich ertrugen die Berliner auch gegen Hannover 96 die Angriffsbemühungen des Gegners mit abwartender Lässigkeit und schlugen dann in der zweiten Halbzeit gleich dreimal gekonnt zu. Mannschaftskapitän Arne Friedrich sagte: „Wir stehen sehr kompakt und sehr sicher, wir lassen eben wenig Chancen zu und kassieren daher auch kaum Gegentore.“ Stimmt: Zehn Gegentreffer in zehn Punktspielen, das ist nicht viel, zumal vier Tore davon noch aus dem 1:4 bei Bayern München resultieren.

Herthas Verteidigung ist nur schwer in Verlegenheit zu bringen

Die Verteidigung der Berliner ist schwer in Verlegenheit zu bringen, auch wenn ein Marc Stein auf der Außenbahn zuletzt ein wenig lax agierte. Im offensiven Mittelfeld beweist Maximilan Nicu immer mehr sein gestaltendes Talent, so etwa bei der Vorlage auf Marko Pantelic, der dann das 1:0 gegen Hannover schoss. Auffällig war gegen die Niedersachsen zudem, dass mit der Hereinnahme des nach einer Fußprellung wieder genesenen Andrej Woronin Herthas Angriffsspiel Leben bekam – nicht nur durch das Tor des Ukrainers zum 2:0. „Woronin hat bei uns frischen Wind hereingebracht“, sagte Friedrich. Durch die Verpflichtung des Angreifers sei man ein gutes Stück stärker geworden.

Neben den sportlichen Gründen scheint es aber auch noch andere Erklärungen für den Erfolg von Hertha zu geben. Die Unzufriedenheiten innerhalb des Teams scheinen der Mannschaft sportlich nicht zu schaden. Die öffentlichen Meckereien von Torjäger Marko Pantelic etwa – der Serbe macht kein Hehl aus seinem angespannten Verhältnis zu Trainer Favre – sind auf dem Spielfeld vergessen oder spornen Pantelic sogar noch an. Gegen Hannover arbeitete er fleißig und ebnete Hertha mit seinem Tor den Weg zum zweiten Heimsieg.

Bemerkenswert ist, dass die Berliner mit ihrem Minikader so erfolgreich spielen

Ebenfalls bemerkenswert ist, dass sich die Berliner angesichts etlicher Verletzter mit einem Minikader über die Runden spielen müssen. Aber die Mannschaft rückt zusammen. Wir haben seit Wochen nur 13, 14 Leute“, sagt Manager Dieter Hoeneß, „da muss man sehr zufrieden sein mit den Resultaten, allerdings nicht zu zufrieden.“ Denn da wäre dann die Fallhöhe ja bei noch kommenden Misserfolgen zu hoch. Doch auch in punkto Selbsteinschätzung scheinen sie bei Hertha BSC dazugelernt zu haben, als neue Spitzenmannschaft der Bundesliga.

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