Sport : Stars im Kino, Versager auf dem Eis - Das Heimspiel am Maschendrahtzaun

Claus Vetter

Vor den Lichtspielhäusern wird ein großes Ballyhoo um einen Eishockeyfilm veranstaltet: "Heimspiel - unser Film, unser Stolz." Für die sportlichen Leistungen der Berliner Eisbären bietet sich ein anderer Titel an: "Unser Maschendrahtzaun", erinnernd an den nervtötenden Streit einer sächsischen Hausfrau mit ihrem Nachbarn. Ähnlich trostlos geht es bei den Eisbären zu. Nur 3000 Fans wollten das 0:3 gegen den Tabellenletzten Oberhausen sehen. Tristesse auf den Tribünen, Hilflosigkeit auf dem Eis und ein verunsichert wirkender Kent Forsberg. Unter der Regie des neuen Trainers gab es in fünf Spielen gerade drei Punkte.

Längst hat der Schwede erkennen müssen, dass er ein Team übernommen hat, mit dem sich nicht mehr viel bewegen lässt. "Vielleicht waren wir gegen Oberhausen etwas müde, weil wir die ganze Woche so hart trainiert haben", sagt Forsberg. Wie gut war die Mannschaft denn in Schuss, als er sie übernommen hat? Diese Frage will er nicht beantworten, dafür widmete er sich lieber der Spielanalyse. Mit Wallinheimo und dem im letzten Drittel eingewechselten Fischer hätten die besseren Torhüter die Partie entschieden, meinte Forsberg.

Drei Keeper haben die Berliner im Kader. Gegen Oberhausen spielte Kames, Döhler saß auf der Bank. Der dritte im Bunde, François Gravel, wurde noch vor wenigen Wochen als großer Glücksgriff verkauft. Der Franko-Kanadier hatte bis dahin in Oberhausen gespielt, gegen seinen alten Kollegen saß er nur noch auf der Tribüne. Die Verpflichtung von Gravel, sie war der vorläufig letzte Höhepunkt einer völlig verfehlten Personalpolitik. "Wir haben zu sehr aus der Vergangenheit gezehrt. Konzeptionelle Arbeit ist ausgeblieben", sagt Martin Müller, der Generalbevollmächtigte. "Wir planen schon für die nächste Saison. Viel Zeit haben wir nicht, dazu haben wir im letzten Jahr zu viel versäumt."

Die Planungen werden dadurch erschwert, dass elf Spieler Verträge über die Saison hinaus haben. Die Herren Govedaris, Hammarström, Fortier, Kames, Cowie, Chitarroni, Leask, Godynyuk, Pyka, Felski und Smith wird man also auch im nächsten Jahr wieder im Sportforum sehen? Nicht unbedingt, sagt Müller. Verträge interessieren ihn nicht. "Da sind ein paar Kandidaten dabei, mit denen wird man reden müssen." Ob Forsberg in der kommenden Saison noch hinter der Bande steht, sei ebenso unklar. "Die Chancen liegen bei 50 Prozent."

Neun Spiele haben die Eisbären noch in der Hauptrunde zu absolvieren, dazu kämen nach Stand der Dinge noch zwölf Partien in der Abstiegsrunde. Der finanzielle Schaden durch das wahrscheinliche Verpassen der Play-offs würde sich in Grenzen halten, sagt Müller. "Das ist nicht das Problem, unser System ist auf Prämien aufgebaut." Über den Imageschaden will er ebensowenig nachdenken wie über die trostlosen Aufführungen in der Abstiegsrunde. Auch wenn es dann nicht nur ein "Heimspiel", sondern sechs zu sehen gebe.

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