Sport : Stars in Eintracht

Die Los Angeles Lakers sind im NBA-Finale Favorit

Benedikt Voigt

In dieser Saison fällt bei Basketballspielen der Los Angeles Lakers die erste Entscheidung bereits in der Umkleidekabine. „Wir merken, dass die Mannschaft noch nicht komplett ist“, erzählte Karl Malone der „Los Angeles Times“, „wir schauen auf die Uhr, während der Spielbeginn näher rückt.“ Immer fehlt derselbe Spieler: Kobe Bryant. Der Flügelspieler muss in Eagle, Colorado, in einem Vorgerichtsverfahren aussagen, bei dem er der Vergewaltigung einer Hotelangestellten angeklagt ist. Nach Ende der Verhandlung fliegt er so schnell wie möglich nach Los Angeles, um mit seinem Verein in der nordamerikanischen Profiliga NBA das nächste Spiel zu bestreiten. In der vergangenen Woche schaffte es Kobe Bryant innerhalb von zweieinhalb Stunden aus Colorado ins Staples Center in Los Angeles. Munter pfeifend wurde er 75 Minuten vor Spielbeginn auf einem Elektrowagen in die Halle gefahren.

Seitdem hat zumindest das Bangen, ob Bryant rechtzeitig zum Spiel kommt, für die Los Angeles Lakers ein Ende. Sollte nichts Außergewöhnliches passieren, ist der nächste Gerichtstermin für den 21. Juni angesetzt. Dann wird das siebte Spiel des NBA-Finales 2004 vorbei sein. Ohnehin ist es unwahrscheinlich, dass die in der Nacht zum Montag (2.00 Uhr, live auf Premiere) beginnende Finalserie zwischen den Los Angeles Lakers und den Detroit Pistons nach dem Modus Best of seven so lange dauern wird. Beide Teams haben zwar in der regulären Saison jeweils ihr Heimspiel gewonnen. Doch Bryant, Shaquille O’Neal, Gary Payton und Karl Malone von den Los Angeles Lakers sind hohe Favoriten. Die Teams der Western Conference, in der die Lakers spielen, gelten seit einigen Jahren als deutlich stärker als die Teams aus dem Osten. 1998 gewann mit den Chicago Bulls letztmalig eine Mannschaft der Eastern Conference ein Finale.

Die Defensivkünstler aus Detroit haben sich in der Finalserie der Eastern Conference ein wenig überraschend mit 4:2 Siegen gegen die Indiana Pacers durchgesetzt. Das entscheidende Spiel am Dienstag gewannen sie mit 69:65. „Auf die hässliche Art“, wie die „Los Angeles Times“ schreibt. Fraglich ist, ob Detroit nun die Offensive der Lakers ähnlich erfolgreich bekämpfen kann. Vor allem Centerspieler Shaquille O’Neal hat Detroit nur wenig entgegenzusetzen.

Es dürfte also so kommen, wie es sich Payton und Malone wünschen. Die beiden Routiniers wechselten vor dieser Saison von den Seattle Supersonics und Utah Jazz nach Los Angeles, um endlich den NBA-Meisterring zu gewinnen, der ihnen in ihrer langen Karriere bislang vorenthalten geblieben ist. Lange sah es in dieser Saison so aus, als ob dieses Vorhaben nicht aufgehen würde. Neben Bryants Prozess, der die Lakers in der Vorbereitung störte, musste der Klub Verletzungen von O’Neal und Malone verkraften. Spätestens in den Play-offs aber fanden die Stars zu einem Team zusammen und schlugen Houston (3:2), Titelverteidiger San Antonio (4:2) und Minnesota (4:2). „Wir fühlen uns momentan sehr wohl“, sagte Lakers-Trainer Phil Jackson, „aber natürlich liegt auf uns der Druck, etwas Einzigartiges zu vollbringen.“ Das Einzigartige wäre: in fünf Jahren den vierten NBA-Titel zu gewinnen.

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