Sport : Stars suchen die weite Welt

Michael Rosentritt über den Abgang von Rafael van der Vaart

Michael Rosentritt

Rafael van der Vaart wird im Sommer den Hamburger SV und damit die Bundesliga verlassen. Ist das jetzt eine Überraschung? Steht in Wirklichkeit nicht schon viel länger fest, dass Spieler seiner Qualität nicht langfristig zu halten sind in der höchsten deutschen Spielklasse? War das nicht schon bei seiner Verpflichtung vor zweieinhalb Jahren absehbar?

Es wird vielleicht nicht wenige Fans geben, die glauben und daher einwenden werden, die Bundesliga hätte in letzter Zeit für große Spieler an Attraktivität gewonnen. Sie können auf die beiden Weltstars in München verweisen, auf Luca Toni und Franck Ribéry. Und auch auf Diego in Bremen. Aber das ist Augenwischerei. Toni und Ribéry sind nur deshalb in der Bundesliga gelandet, weil der FC Bayern im vorigen Sommer einen vereinsphilosophischen Quantensprung wagte und sich erstmals seit Jahren auf das Spiel ohne finanzielle Grenzen einließ. Jetzt zahlt auch der gedemütigte deutsche Rekordmeister Summen, wie sie für Stars in England, Spanien und Italien üblich sind. Aber wer will das hierzulande wahrhaben?

Der zuweilen überinszenierte Fußball gaukelt den einheimischen Fernsehzuschauern ein Bild vor, was es so gar nicht gibt. Die Bundesliga ist für Weltklassespieler keineswegs attraktiver geworden. Es sei denn, sie werden mit Geld zugeworfen oder aber sehen – wie im Fall Rafael van der Vaart – die Bundesliga als Sprungbrett für eine Weltkarriere bei einem Weltverein an.

Den deutschen Fans bleibt nur ein anderer Trost. Die Champions League wird so bald kein deutscher Klub gewinnen können, aber dafür gibt es ja in diesem Sommer die Europameisterschaft. Die Engländer dürfen sich dank der vielen Fußballstars über die stärkste Liga der Welt freuen – und im Juni Handtücher auf den Pool-Liegen verteilen.

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