Start der Australian Open : Schluss mit Schaulaufen für Sabine Lisicki

Sabine Lisicki will mithilfe von Martina Hingis bei den Australian Open wieder angreifen. Die Berlinerin hat zuletzt viel trainiert, um auch auf dem Tennisplatz endlich wieder eine gute Figur zu machen.

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Bitte lächeln. Lisicki war zuletzt mehr Promi als Profi.
Bitte lächeln. Lisicki war zuletzt mehr Promi als Profi.Foto: Imago.Sportfotodienst

Sabine Lisicki war am Samstagvormittag eine der Ersten auf dem Trainingsplatz, und die Zaungäste auf Court Nr. 18 im Melbourne Park staunten nicht schlecht, wen die Berlinerin da plötzlich im Schlepptau hatte: Martina Hingis, das einstige Schweizer Wunderkind, das die Australian Open dreimal gewann. „Sie hilft uns einfach“, sagte Lisicki zum neuen Trainingscoup, der so perfekt in den aktuellen Trend der Verpflichtung ehemaliger Champions passt – Lendl, Edberg und Becker haben also weibliche Konkurrenz bekommen. „Es ist so angenehm, weil sie mich einfach schon so lange kennt“, fügte Lisicki hinzu, „Großes zu ändern gibt es ohnehin nicht – dort oben ändert man nur Kleinigkeiten.“ Dort oben, damit meinte die 24-Jährige ihren Kopf. Das Mentale, das ja so ungemein wichtig ist für Tennisprofis, wenn sie es nach ganz oben schaffen wollen. In Wimbledon, vor einem halben Jahr, da war Lisicki schon fast ganz oben angekommen. Erst im Finale hatte sie gegen die Französin Marion Bartoli verloren, unter Tränen, und die Herzen der Zuschauer damit für sich gewonnen. Doch seither hatte es eben keine sportlichen Erfolgsmeldungen mehr für die Weltranglistenfünfzehnte gegeben.

In den Monaten nach dem bisher größten Erfolg ihrer Karriere war Lisicki bei Auftritten auf roten Teppichen und in TV-Shows präsenter gewesen als auf dem Tennisplatz. Ob bei Günter Jauch, im Frühstücksfernsehen, in Sportsendungen oder bei Galas – die Berlinerin hetzte über den Bildschirm und erzählte wieder und wieder, wie das so gewesen ist in Wimbledon. Die Niederlage, die Tränen, das ganze Drama. Und immer strahlte und lächelte sie dabei, genauso bei den diversen Werbeauftritten ihrer neuen Sponsoren. Lisicki sammelt Sympathiepunkte, weiß sich glänzend zu vermarkten. Und da fragt dann auch niemand mehr, warum sie nicht auch auf dem Tennisplatz so glänzt. „Wer gut arbeitet, kann auch solche Auftritte einstreuen“, entgegnete Lisicki. Doch es hätte die Beobachter in Melbourne wohl weit weniger verwundert, wenn sie mit ihrem neuen Lebensgefährten, dem Komiker Oliver Pocher, auf dem Trainingsplatz aufgetaucht wäre, der sie nach Australien begleitete.

Nun ist es also Hingis, doch ein wenig liegt der Verdacht nahe, dass Lisicki nach dem Schaulaufen der letzten Monate und den privaten Schlagzeilen mit diesem Schritt die Aufmerksamkeit bewusst davon weglenken möchte. Denn die Zusammenarbeit mit Hingis scheint nur ein Intermezzo zu sein. Lisicki wollte nicht einmal von einer Probierphase sprechen, in der man gerade stecke, und Hingis selbst wiegelte jede Auskunft sofort vehement ab. „Wir müssen sehen“, sagte Lisicki, aber länger als die Australian Open wird das Arrangement wohl nicht dauern. Hingis hatte kürzlich mit 33 Jahren ihr Comeback im Doppel probiert, das aber nicht mit ihren ehrgeizigen Vorstellungen Schritt gehalten hatte. So ist sie einerseits auf der Flucht vor dem Wirbel um ihr eigenes Privatleben und wirkt ein wenig zerrissen bei der Suche nach einer sinnvollen Aufgabe nach der erneut beendeten Tenniskarriere.

Das Wimbledon-Finale und das Drumherum in Bildern
Siegerehrung in Wimbledon, die Berlinerin Sabine Lisicki muss sich mit der kleinen Schale zufrieden geben. Sehen Sie die Bilder vom Centre Court und dem ganzen Drumherum hier in unserer Bildergalerie.Weitere Bilder anzeigen
1 von 19Foto: AFP
06.07.2013 21:12Siegerehrung in Wimbledon, die Berlinerin Sabine Lisicki muss sich mit der kleinen Schale zufrieden geben. Sehen Sie die Bilder...

Dass sie Lisicki helfen kann, steht dennoch außer Frage. Hingis hat in den vergangenen Jahren viel Erfahrung als Trainerin gesammelt und bestach von jeher durch ihre eiserne Disziplin und ausgeprägte Fitness. Gerade Letzteres war dagegen stets Lisickis Achillesferse, das hatte Hingis schon länger erkannt: „Sabine müsste ein, zwei Kilo abnehmen. Wenn man ein paar Kilos zu viel mitschleppt, ist man eben auch anfälliger für Verletzungen.“ Und die hatte Lisicki immer wieder, konstant war sie dadurch nie. Doch das soll sich nun ändern, Lisicki hat in diesem Winter 13 Trainingstage mehr eingelegt als gewöhnlich und als ob sie der Welt Beweise schuldig gewesen wäre, twitterte sie fleißig Fotos von sich schwitzend auf dem Laufband.

Dennoch steht vor den am Montag beginnenden Australian Open und ihrem Auftaktmatch gegen die Kroatin Mirjana Lucic-Baroni ein Fragezeichen hinter Lisickis Form, nicht nur, weil sie beim Vorbereitungsturnier in Brisbane zu ihrem zweiten Match nicht mehr antreten konnte. Lisicki hatte sich am Abend zuvor den Magen verdorben. „Den Fisch zu essen, war keine gute Idee“, sagte sie frustriert, dennoch konnte sie unter der Woche wieder problemlos im Melbourne Park trainieren. Sie hofft, dass Hingis ihr vielleicht die richtigen Worte einflüstern kann. Magische Worte von einer, die selbst ganz oben war und die Lisicki seit ihrem zehnten Lebensjahr kennt, als diese in der Schweizer Akademie ihrer Mutter Melanie Molitor vorspielte. „Das war damals schon etwas Besonderes, weil Martina mein großes Vorbild war“, erinnert sich Lisicki. Und vielleicht kann ihr Idol dabei helfen, zu beweisen, dass die hohen Erwartungen, die Lisicki mit ihrem Coup in Wimbledon nährte, tatsächlich berechtigt sind.

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