Start der DEL-Saison : Die Eisbären haben noch lange nicht genug

Die Berliner wollen zum fünften Mal Deutscher Meister werden – und setzen dabei auf bewährte Methoden. Die Konkurrenz versucht sie mit simplen Mitteln zu erschrecken.

Claus Vetter,Katrin Schulze
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Jubel und kein Ende. Vergangene Saison wurden die Eisbären nach dem zum vierten Mal Meister.Foto: dpa

Es kann im Sport zuweilen ganz schön garstig zugehen. Wenn eine Mannschaft durch ihre Erfolge den gefühlten Höhepunkt erreicht hat, dann ergeben sich ganz neue Grenzen und Hindernisse. Zu Anerkennung und Ruhm gesellt sich dann gerne auch mal Neid und manchmal sogar Spott – wenn sich der Erfolg einmal nicht einstellt. Deutschlands Superfußballklub Bayern München muss seit Jahren damit leben, von der Konkurrenz verhöhnt zu werden, wenn er aus Versehen mal nicht Deutscher Meister wird. Bei den Eisbären aus Berlin verhält sich das im Eishockey mittlerweile genauso. „Es ist schwer, den Titel zu holen“, sagt Trainer Don Jackson. „Aber es ist noch viel schwieriger, ihn zu verteidigen.“ Vier Mal Meister in fünf Jahren, was kann da noch kommen?

Eine Frage, die sich viele stellen, wenn heute die neue Saison in der Deutschen Eishockey-Liga (DEL) mit dem Spiel Mannheim gegen Nürnberg (19.30 Uhr, live auf Sky) beginnt. Der Favorit selbst steigt nach der erfolgreichsten Saison der Klubgeschichte am Freitag mit der Partie in Kassel ein. Es wird für die Berliner dabei nicht einfach, noch irgendetwas zu überbieten. Fast 14 000 Zuschauer pro Spiel versammelten sich in der vergangenen Saison in ihrer neuen Arena, am Ende wurden sie wieder mal Meister. Mehr Zuschauer, mehr Euphorie, mehr Erfolg? Kaum möglich.

Aber zumindest stehen die Chancen nicht schlecht, den Status quo zu halten. Zu gut funktioniert das Konzept des Klubs. Wer seinen Spielerstamm beisammenhält und jährlich nur punktuelle Veränderungen vornimmt, wird nicht so schnell von der Spitze verdrängt. Auch vor dieser Spielzeit sind die Berliner dieser Philosophie weitgehend treu geblieben, obwohl die Personalabteilung diesmal mehr zu tun hatte als noch in der vorigen Saison. Mit Nathan Robinson, Deron Quint und Mark Beaufait verließen nämlich gleich drei Leistungsträger den Klub. „Wir haben einige talentierte Spieler verloren“, sagt Stürmer Stefan Ustorf. „So einer wie Beaufait ist nicht von einem einzigen Profi zu ersetzen. Da braucht es die Mannschaft.“

Und die hat sich nicht nur durch die Zugänge Marvin Degon, Derrick Walser und Jeff Friesen kompetent verstärkt, sondern setzt auch auf die zunehmende Kompetenz ihrer jungen deutschen Spieler. Dazu kommt, dass die Berliner seit langer Zeit Kontinuität auf hohem Level gezeigt und mehrmals bewiesen haben, dass sie mit dem Druck, Favorit zu sein, umgehen können. „Ich spiele lieber mit der Rolle des Favoriten als mit der Rolle eines Abstiegskandidaten“, sagt Ustorf.

Es ist an sich erschütternd, mit welch simplen Mitteln die Konkurrenz eine so erfahrene Mannschaft erschrecken will – Bayern München würde im Fußball vermutlich darüber lachen: mit Geld, altbackenem Eishockey oder abgeschauten Ideen. Da sind die von den Millionen des Dietmar Hopp lebenden Adler Mannheim, die mal wieder auf Shoppingtour waren und hoffen, dass die vielen prominenten Einkäufe irgendwie harmonieren – das hat in Mannheim zuletzt fast nie funktioniert. Genauso wenig bei den Hamburg Freezers, die ihr vieles Geld aus dem Hause Anschutz wieder wild durch die Gegend geschleudert haben. Bei den Hannover Scorpions dagegen setzt man wie schon seit zwei Jahren auf Trainer Hans Zach und sein etwas altbackenes Spielverständnis vom kämpfenden Teutonen-Eishockey. Und dann sind da noch die Kölner Haie, die versuchen es mit einem pfiffigen, innovationsfreudigen und sehr strengen russischen Trainer und vielen jungen deutschen Spielern – die Eisbären lassen grüßen.

Welcher Kandidat den Eisbären wirklich gefährlich werden kann? Vielleicht der letztjährige Finalist, die Düsseldorfer EG. Weil die Rheinländer ihre Mannschaft kontinuierlich aufgebaut und bei der Verpflichtung neuen Personals akribischer gearbeitet haben als große Teile der Konkurrenz. Aber mit den Gegnern beschäftigen sich die Eisbären selbst lieber gar nicht erst. „Wir schauen nur auf uns“, sagt Don Jackson. „Und wir werden alles geben, um wieder das beste Team der Liga zu werden.“ Sport kann zuweilen nämlich auch ganz einfach sein.

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