Start der Fußball-Bundesliga : Zwischen Fan und Finanzen

Beim Fußball geht es um große Gefühle und Identität - aber auch um Geld. Doch die finanziellen Ziele der Vereine dürfen die Leidenschaft der Fans nicht erdrücken.

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Kann ein VW-Werksverein wie der VfL Wolfsburg, hier mit Kevin de Bruyne, die Fans außerhalb der Region begeistern?
Kann ein VW-Werksverein wie der VfL Wolfsburg, hier mit Kevin de Bruyne, die Fans außerhalb der Region begeistern?Foto: Maurizio Gambarini/dpa

Der Kern des Spiels ist immer noch derselbe. Der Ball geht rein, die einen jubeln, die anderen leiden. Gerade die Einfachheit des Fußballs ist es, die die Menschen beseelt und fesselt. Von diesem Wochenende an geht es in der Bundesliga für 34 Spieltage wieder um große Gefühle – und um das große Geld. Denn die Liga ist längst zum globalen Unternehmen geworden, sogar zum Wachstumsmotor der deutschen Wirtschaft wurde sie gerade ausgerufen. Die Bundesliga will die Welt und ihre Märkte erobern und gleichzeitig nah an den Menschen auf den Stehplätzen bleiben. Das ist ein Widerspruch, der sich nur schwer auflösen lässt.

Keine Branche wächst schneller als der Fußball

Eine Fanvereinigung hat die Geschäftsführung der Bundesliga vor dem Saisonstart wieder einmal aufgerufen, die Interessen der Fußball-Anhänger zu respektieren und die Anstoßzeiten so zu terminieren, dass auch berufstätige Fans ihren Herzensklubs hinterherreisen können. Die leise Bitte der Fans ging allerdings unter angesichts der lauten Zahlen, die eine Unternehmensberatung verbreitete: Demnach war der Profifußball im Jahr 2014 für eine Wertschöpfung von 7,9 Milliarden Euro verantwortlich, das entspricht einer Steigerung um 55 Prozent innerhalb von sechs Jahren. Kein anderer deutscher Wirtschaftszweig wächst schneller als der Fußball, keine Branche wird voraussichtlich auch in den kommenden Jahren derartig boomen.

Die Voraussetzung dafür ist allerdings, dass der Fußball die Menschen weiter nicht nur am Portemonnaie packt, sondern auch am Herzen. Das Produkt Bundesliga funktioniert so gut, weil es die Fans eben nicht als Produkt begreifen, sondern als Teil ihrer Identität. Weil sie im Urlaub am Strand mit Stolz ein rotes, gelb-schwarzes oder blau-weißes Trikot tragen und jeder dadurch schon von Weitem sieht, was sie für einer sind. Weil alle Kollegen am Montagmorgen bereits wissen, welche Stimmung sie nach Sieg oder Niederlage ins Büro mitbringen. Weil die Stadionkurve immer noch der Ort ist, wo sie sich verstanden und geborgen fühlen.

Die Geldgeber im Hintergrund

Doch wo Milliarden auf dem Spiel stehen, wird es ein wenig kälter. Um weiterzuwachsen, wird die Bundesliga sich zwangsläufig von ihren Wurzeln und den deutschen Fans entfernen und im Ausland nach neuen Geldquellen und Vermarktungsmöglichkeiten suchen müssen. Und im deutschen Fußball selbst drängen immer mehr Vereine an die Spitze, die den Sport auch als Mittel zum Zweck sehen. In dieser Saison ist der FC Ingolstadt 04 mit Großsponsor VW aufgestiegen, bald könnte RB Leipzig folgen, auch bei der TSG Hoffenheim und Bayer Leverkusen stehen einzelne Geldgeber im Hintergrund. Der VfL Wolfsburg, ebenfalls ein VW-Verein, ist mit schönem Fußball Pokalsieger und Vizemeister geworden und könnte in dieser Saison Serienmeister FC Bayern München ärgern. Begeisterung – oder gar Liebe – ruft der Verein außerhalb von Wolfsburg aber kaum hervor. Das Image des Werksklubs wird er nicht los. Selbst passionierte Bayern-Hasser werden kaum Leidenschaft für den VfL entwickeln. Und sich fragen: Und das soll unser Verfolger der Herzen sein?

Das soll kein Vorwurf an den VfL Wolfsburg. Die Frage ist nur, wie viele Klubs ähnlicher Prägung die Bundesliga verträgt. Und wann der Spagat zwischen globaler Ausrichtung und lokaler Verwurzelung nicht mehr funktioniert. Denn wenn die Leidenschaft von der Kalkulation erstickt wird, ist der Boom vorbei.

Nachdem die Bayern am Freitagabend die Bundesligasaison mit einem klaren 5:0-Sieg gegen den HSV eröffnet und mit Douglas Costa zudem eine neue Attraktion für die Bundesliga präsentiert haben, wird der erste Spieltaga am Samstag um 15.30 Uhr fortgesetzt. Sie können alle Spiele bei uns im Bundesliga-Ticker live verfolgen.

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