Start der NHL-Play-offs : Bayer trifft auf Badener

Mit Sturm und Hecht treffen die beiden besten deutschen Spieler in den Play-offs der NHL aufeinander.

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BerlinEs war eine Inszenierung, wie sie die Menschen im nordamerikanischen Eishockey lieben. Gigantische Kulisse, dramatisches Spiel und am Ende siegten die Guten. Hauptdarsteller beim „Winter Classic“, jenem Spiel im Freien, mit dem sich die National Hockey-League (NHL) zum Jahresbeginn feiert, war am 1. Januar dieses Jahres ein Deutscher: Zwei Minuten der Verlängerung waren zwischen Boston Bruins und Philadelphia Flyers gespielt, als Marco Sturm den Puck zum 2:1 der Bruins vor 40 000 Zuschauern im umgebauten Baseball-Stadion, dem Bostoner „Fenway Park“, ins Tor lenkte.

Sturm sprach später vom „unvergesslichsten Tor“ seiner Karriere. Es war ein großer Moment für den abseits des Eises bescheiden auftretenden Bayern. Was sein Können angeht, gehört Sturm zum oberen Drittel der NHL-Profis, aber seinem Auftreten und seinen statistischen Werten nach zu urteilen, ist er eher ein Star hinter den Stars. Und das hat Sturm mit Jochen Hecht von den Buffalo Sabres gemeinsam. Die beiden bestbezahlten deutschen Profis in der besten Eishockey-Liga treffen ab Donnerstag (Ortszeit) in der ersten Runde der Play-offs aufeinander. In der NHL gehören beide Teams zwar zu den besten 16 von 30, die nun um die Trophäe, den Stanley Cup, kämpfen. Favoriten auf den Titel sind aber die Pittsburgh Penguins und die Washington Capitals. Hecht sagt trotzdem: „Wir wollen den Titel und haben gute Chancen. Wir haben vier gleich starke Reihen, von denen jede ein Spiel entscheiden kann.“

Hecht ist von seinem Status her in der NHL das badische Pendant zum Bayern Sturm. Entlohnt mit 3,8 Millionen Dollar im Jahr, verdient er sogar mehr als Sturm (3,5 Millionen Dollar). Der Mannheimer war zwar schon mal Teamkapitän bei den Sabres und im Statistikparadies NHL haben sie errechnet, dass Buffalo mit ihm häufiger gewinnt als ohne ihn, aber die größte Nummer ist der 32 Jahre alte Hecht in Buffalo nicht: Da sind ein paar andere im Team davor, mit Thomas Vanek sogar ein Österreicher.

Deutsche sind meist nur Rollenspieler

Es gibt neben Hecht und Sturm noch fünf andere deutsche Profis, die in den Play-offs der NHL spielen. Das zeugt allerdings nicht von einer großen Entwicklung im deutschen Eishockey. Hecht, Sturm und Kollegen erfüllen in ihren Klubs ihre Rollen, sind aber keine Regisseure.

So lässt sich auch erklären, warum das bei den Olympischen Spielen mit sieben NHL-Profis angetretene deutsche Team sieglos blieb. Auch Hecht und Sturm blieben blass in Vancouver. Was die beiden nicht eint, ist ihr Spielstil. Der kräftige Hecht ist ein Hauruck-Typ und Meister des Duseltors. Sturm dagegen ist ein filigraner Torjäger. Sturm kann sein Team mitreißen, das kann Hecht oft nicht. Mit ihm stieg Deutschland zweimal in die zweite WM-Gruppe ab. 2005 und 2009 – wobei letzteres ohne Konsequenz blieb.

Als Ausrichter ist Deutschland bei der WM im Mai dabei, genauso wie der Verlierer aus dem Duell Boston gegen Buffalo. Der Sieger könnte in der parallel zur WM laufenden Endphase der NHL-Play-offs noch beschäftigt sein. Wenn es nach ihren Auftritten im Nationalteam geht, wäre es aus deutscher Sicht besser, wenn Sturm ausscheiden würde. Marco Sturm hat aber erst kürzlich gesagt: „Wahrscheinlich gewinnen wir mit Deutschland nie eine Medaille.“ Dann sollte sich Sturm also anstrengen in Boston.

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