Sport : STATIONEN EINER KARRIERE

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Olympische Spiele in Barcelona. Die 14 Jahre alte Franziska van Almsick gewinnt zwei Bronze und zwei Silbermedaillen. Sie wird zum Star. Die Medien beginnen, über das Leben von „unserer kessen Franzi“ einen deutschen Fortsetzungsroman zu schreiben.

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1993: Nach sechs Gold- und einer Silbermedaille bei der EM in England wird Franziska van Almsick, 15, zur Sportlerin des Jahres gewählt. Zuerst in Deutschland, später in Europa und schließlich auf der ganzen Welt.

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1994: Die Karriere erhält einen Knick. Bei der WM in Rom wird sie über 200 Meter Freistil im Vorlauf nur Neunte. Doch Dagmar Hase verzichtete der Jüngeren zuliebe auf ihren Startplatz, und van Almsick schwimmt im Finale auf der Außenbahn zum neuen Weltrekord: 1:56,78 Minuten.

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1996: Olympische Spiele in Atlanta. Alle erwarten Gold von Franziska van Almsick. Daran wird sie gemessen. Über 200 Meter holt sie Silber, und es klingt schon ein bisschen verzweifelt, als van Almsick sagt: „Jetzt gibt es für mich einen Grund weiterzumachen.“ Sie geht von der Schule ab und trennt sich von ihrem Trainer Dieter Lindemann , gegen den wegen Dopings von Minderjährigen ermittelt wird. Nachfolger wird Gerd Eßer .

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1997: Bei einem Motorradunfall zieht sich van Almsick eine schwere Handverletzung zu und fällt monatelang aus.

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1999: Bei der EM in der Türkei allerdings gewinnt sie zwei Mal Gold mit der deutschen Staffel.

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2000: Olympische Spiele in Sydney. Van Almsick will das „perfekte Rennen“ – und scheidet über 200 Meter bereits im Halbfinale aus. Ihre Zeit: 2:00,26 Minuten, dreieinhalb Sekunden langsamer als bei ihrem Weltrekord 1994. „Franzi van Speck, als Molch holt man kein Gold“ titelt das Boulevardblatt „BZ“. Sportlich ist die Berlinerin auf dem Tiefpunkt ihrer Karriere angelangt, aber privat geht es aufwärts: Sie lernt in Sydney den Handballspieler Stefan Kretzschmar kennen, mit dem sie bis heute zusammen ist. Ein Jahr später kommt ein neuer Trainer: Norbert Warnatzsch hatte sie schon zur DDR-Spartakiade-Siegerin gemacht.

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2002: Bei der EM in Berlin verfolgen mehr als 30 Millionen Zuschauer am Bildschirm van Almsicks Endlauf über 200 Meter Freistil. Sie schlägt als erste an – in Weltrekordzeit ( 1:56,64 Minuten). Später sagt sie, es sei unmöglich gewesen, nach diesem Weltrekord aufzuhören. Sie sucht sich ein neues Ziel: Gold bei den Olympischen Spielen in Athen. * * *

2003: Bei den deutschen Meisterschaften qualifiziert sich die 25-Jährige über 200-Meter Freistil für die WM in Barcelona. Doch van Almsick verzichtet auf den Start – Olympia hat Priorität.

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2004: Am 17. August, 18.43 Uhr, steht van Almsick auf dem Startblock für das vielleicht letzte Einzelrennen ihres Lebens. Sie hat große Kopfhörer übergestülpt, wirkt hochkonzentriert. Dann springt sie ins Wasser und schwimmt die ersten 100 m so, wie man es von ihr kennt: ästhetisch. Aber es reicht nicht. Fünfte. Die Mutter sagt: „Ich bin trotzdem stolz.“ sos

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