Sport : Stau in Silverstone

Die marode Rennstrecke ist in der Formel 1 umstritten

Karin Sturm

Silverstone. „Home of British Motorracing“ nennt sich die Rennstrecke von Silverstone ganz stolz. Doch die Heimat des britischen Motorsports läuft Gefahr, in Zukunft den britischen Grand Prix zu verlieren. Der Zuschauer, der am Sonntag während des Rennens auf die Strecke stürmte und für Chaos sorgte, war nicht förderlich für die Befürworter von Silverstone. Laut Weltverbands-Präsident Max Mosley ist Silverstone ohnehin „die schlechteste Rennstrecke in Europa“. Und Formel-1-Boss Bernie Ecclestone hat eine „katastrophale Infrastruktur“ in Silverstone ausgemacht. Alles sei veraltet, sagt Ecclestone. „Sämtliche Investitionen sind hier nur in Parkplätze geflossen. Das ist absolutes Missmanagement.“

In Silverstone gibt es Probleme, nicht auf der Strecke wie am Sonntag, sondern auch abseits der Strecke. Die Verkehrsanbindung des Veranstaltungsortes ist mangelhaft. Trotz vierspuriger Zufahrtsstraße ist die Anfahrt stauträchtig. Am Kurs ist vieles marode, Boxenkomplex und Pressezentrum sind nicht auf dem neuesten Stand. Anderseits kritisiert Ecclestone wohl nicht ohne Kalkül. Der Betreiber der Rennstrecke ist der British Racing Drivers Club, dort spielt der dreimalige Weltmeister Jackie Stewart eine große Rolle. Der Schotte ist ein Intimfeind von Ecclestone – der beneidet Stewart offensichtlich um seinen gesellschaftlichen Status: Stewart geht im englischen Königshaus ein und aus, holte gestern Prinz Charles als Boxengast zu Jaguar und macht an höchster Stelle immer wieder Geld locker für Silverstone. Ecclestone wird dagegen im Königshaus mit einer gewissen Skepsis betrachtet.

Ecclestones Kritik an Silverstone halten in der Szene viele für überzogen. „Wahrscheinlich ist Bernie nur sauer, dass er nicht so hofiert wird wie Stewart“, vermutet Teamchef Frank Williams. Er ist ein Verteidiger von Silverstone, die Strecke zählt er zu den anspruchsvollsten in der Formel 1. „Hilfreich ist das Gerede von Ecclestone natürlich nicht“, sagt Williams. „Vor allem, wenn es darum geht, Zuschauer anzuziehen.“

Trotz der hohen Eintrittspreise – ein Wochenendticket kostete bis zu 900 Euro – sorgten am Sonntag in Silverstone 100 000 Fans rund um den Rennkurs für ein Verkehrschaos. Wartezeiten schrecken die im Anstehen erprobten Briten eben nicht ab. Silverstone ist bei den Fans immer noch sehr beliebt – auch bei den Fahrern. „Ich hoffe nur, dass der Zwischenfall mit dem Zuschauer Silverstone nicht zusätzlich in Schwierigkeiten bringt“, sagte Sieger Rubens Barrichello. „Es scheint ja in Mode zu sein, auf der Strecke herumzuhacken. Wenn man das jetzt zum Anlass nähme, Silverstone aus dem Kalender zu streichen, fände ich das schade.“ Auch die meisten Kollegen des Brasilianers wären froh, wenn sich Ecclestone und Mosley nicht durchsetzen und Silverstone der Formel 1 erhalten bleibt.

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