Sport : Staunen in der Lausitz

Borussia Dortmund gewinnt bei überforderten Cottbusern mit 4:0 und hält Anschluss an die Bayern

André Görke

Cottbus. Plötzlich wurde es still vor dem Gang zu den Umkleidekabinen im Stadion der Freundschaft. Der Meister war angekommen. Und die Fans von Energie Cottbus staunten ehrfürchtig ob der Prominenz, die sich den Weg zu den Kabinen bahnen würde. Die Tür des Dortmunder Mannschaftsbusses öffnete sich, Trainer Matthias Sammer kam heraus, auch Jan Koller und Stefan Reuter und irgendwann endlich Tomas Rosicky. Der Dortmunder Spielmacher fällt nicht sonderlich auf, er ist schmächtig, klein, und in seinem Anzug sieht er aus wie ein angehender Bankkaufmann. Aber für ihn will der FC Barcelona mal eben 53 Millionen Euro überweisen.

Am Samstag, beim Dortmunder Auswärtsspiel in Cottbus, saß Rosicky anfangs nur auf der Bank. „Magen-Darm-Grippe, mir ist seit Mittwoch schlecht“, sagte er. Als er kurz vor der Pause für Sebastian Kehl ins Spiel kam, hatte die Kollegen ihren Job schon getan. Dortmund spielte gut und führte 1:0, am Ende stand es sogar 4:0 für den Deutschen Meister.

Aber was ist nun? Wechselt Rosicky wirklich nach Barcelona? „Ich weiß es nicht“, sagte der nach dem Abpfiff. Also gibt es ein Angebot? „Ich habe keine Lust, über dieses Thema zu reden. Wir haben in Cottbus gewonnen, wir sind an den Bayern dran. Ich will mich mit etwas anderem nicht beschäftigen.“ Dann schnappte er sich seine Tasche und verschwand im Mannschaftsbus.

Borussia Dortmund hatte ja auch genug Stress in den vergangenen Tagen. Acht Punkte Rückstand waren es auf die Bayern, jetzt sind es nur noch sechs. „Hätten wir nicht so viele Fehler in der Hinrunde gemacht, wir stünden besser da“, sagte Rosicky. Die schlimme Niederlage in der Champions League gegen den AC Mailand habe man verkraftet, sagte Thorsten Frings. „Wir haben immerhin zwei von acht Punkten aufgeholt.“ Der Auswärtssieg in Cottbus wird für etwas Ruhe sorgen, auch „wenn der Gegner wirklich schwach gespielt“ hat, wie Dortmunds Trainer Sammer meinte.

Früh hatte Jan Koller die Führung erzielt. Acht Minuten waren vor 13 195 Zuschauern im Stadion der Freundschaft gespielt, da passte Ewerthon in den Cottbuser Strafraum, vorbei an Löw und Kaluszny, und Koller drückte den Ball lässig über die Linie. Fünf Minuten nachdem Ewerthon an Torwart Andre Lenz gescheitert war, war es Lars Ricken, der den Ball gegen die Latte drosch. Nach 30 Minuten dann scheiterte Metzelder, als er freistehend vor Torwart Lenz in den Himmel schoss.

Eine Stunde dauerte es, bis Juskowiak die erste Cottbuser Chance hatte. Das Spiel war längst entschieden. Zwei Minuten nach der Pause hatte Ewerthon nach einem Pass von Ricken Torwart Lenz umkurvt und das 2:0 für Dortmund erzielt. Acht Minuten vor dem Abpfiff traf der eingewechselte Amoroso zum 3:0, den vierten Treffer erzielte Koller. Im Stadion wurde es still. Die Fans in der Lausitz hatten aufgehört zu hoffen.

Dass Energie absteigen wird, nun ja, das ist nicht erst seit gestern keine kühne These mehr. Doch wird Eduard Geyer Trainer in Cottbus bleiben? Präsident Dieter Krein sagte gestern: „Wir werden mit dem Verwaltungsrat reden. Letztlich wird Geyer die Entscheidung fällen.“ Bislang hatte der Trainer gesagt, er denke ans Aufhören. Zu Beginn der Rückrunde will Geyer sich entschieden haben. Spannend und ebenso interessant wie die Frage, ob der FC Barcelona bis dahin 53 Millionen Euro für Dortmunds Spielmacher Tomas Rosicky überwiesen hat.

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