Sport : Steen, Brandl und die Weißwürste

SVEN GOLDMANN

Gegen eine angeschlagene Düsseldorfer EG sind die Eisbären auf Wiedergutmachung aus VON SVEN GOLDMANN

Berlin.Ende August hat Thomas Steen beim Trainingslager der Berliner Eisären in Bad Tölz sein Herz für bayerische Eßkultur im Allgemeinen und Weißwürste im besonderen entdeckt.Eben daß wollte der Schwede dem Tölzer Metzgersohn Thomas Brandl mitteilen, und da sich vor der Partie gegen die Düsseldorfer EG keine rechte Gelegenheit bieten wollte, sprach Steen den Düsseldorfer Nationalspieler eben beim ersten gemeinsamen Bully an: "Weißt du was, Thomas? Dein Vater macht die besten Weißwürste." Brandl fühlte sich auf den Arm genommen und gab in derbem Oberbayerisch zurück: "Na klar, und du schaust aus wia a Weißwuascht." Dieses Mißverständnis war nicht die einzige Unanehmlichkeit, die den Eisbären in Düsseldorf zuteil wurde.Eine keinesfalls berauschend aufspielende, vom gerade reaktivierten Trainer Hans Zach hoch motivierte DEG gewann 2:0 und leitete eine Berliner Mini-Krise ein, die zwei Tage in der ersten - und bisher einzigen - Heimniederlage (5:6 gegen Rosenheim) gipfelte. Fünf Wochen später kommen die Düsseldorfer heute (20.10 Uhr, Sportforum) zum Rückspiel nach Hohenschönhausen.Es hat sich einiges verändert, auf beiden Seiten.Während die Eisbären mit fünf Siegen in Folge ihren Platz unter den ersten sechs festigten, geht es bei der DEG nach anfänglichen Erfolgen drunter und drüber.Nach dem 2:2 am Dienstag gegen die Augsburger Panther legte sich Zach sogar mit den eigenen Fans an."Wer pfeift und sagt, daß das Unvermögen war, der ist ein Proletarier", schimpfte der Tölzer und grifff bei seinem anschließenden Rundumschlag auch den eigenen Vorstand an: "Ich kann nicht leistungsgerecht trainieren, wenn die Gegenleistung nicht stimmt." Angeblich haben die deutschen Spieler in Düsseldorf nur Abschlagzahlungen erhalten, während den Ausländern stets das volle Gehalt überwiesen worden sei.Angesichts der auf acht Millionen Mark geschätzten Schuldenlast empfahl Zach der DEG gar einen Neuanfang in der Zweitklassigkeit, wie ihn der SB Rosenheim vor vier Jahren unternommen hatte. Es ist noch nicht lange her, da litten die Eisbären an eben diesen Problemen, die jetzt dem Meister zu schaffen machen.Darüber kann Trainer Ron Kennedy heute nur lachen."Probleme? Nein, die haben wir zur Zeit nicht", sagt der Kanadier.Bis auf den angeschlagenen Ersatztorhüter Udo Döhler steht der gesamte Kader zur Verfügung und brennt auf Wiedergutmachung für die unglückliche Niederlage vom Sonntag in Kaufbeuren.Zwei Ex-Düsseldorfer sind heute abend besonders motviert: Lorenz Funk junior, den sie an derBrehmstraße trotz einer starken Saison nicht mehr haben wollten.Und Peter John, der zwischen 1983 und 1993 in 450 Spielen 340 Tore für die DEG geschossen hat."Peters Reihe mit Mario Chitarroni und Sen Felski war zuletzt unsere mit Abstand stärkste", sagt Kennedy."Vor allem Chitarroni hat sich unheimlich gesteigert." Und wenn die Zeit reicht und die Küche des Vip-Raumes in Hohenschönhausen entsprechend ausgerüstet ist, treffen sich die Herren Steen und Brandl nach dem Spiel noch auf eine gemeinsame Weißwurst.

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