Sport : Stefan Beinlich: Schmerzen, die sich in die Seele brennen

Klaus Rocca

Nur kurz zuckt Stefan Beinlich zusammen. Gefragt, ob seine Verletzung vielleicht das Ende der Karriere bedeuten könnte, stößt der Fußball-Nationalspieler schnell hervor: "Jeder hat mir versprochen, dass es dazu nicht kommen wird." An solch ein Versprechen klammert sich natürlich einer, der seit Monaten von Schmerzen gepeinigt wird und von einem Tief ins andere fällt. Dazwischen gibt es immer wieder Hoffnungsschimmer. Noch fällt es Beinlich schwer, daran zu glauben, er werde bald für Hertha BSC wieder um Bundesliga-Punkte kicken. Zu oft in den letzten Wochen und Monaten hat er Rückschläge erlitten.

Dabei klingt alles nicht so dramatisch: kein Beinbruch, kein Kreuzbandriss - nur eine Zehenentzündung, allerdings eine mit Folgen. Die Entzündung ist inzwischen abgeklungen, die Schmerzen sind geblieben. So recht wissen die Ärzte nicht, wie sie diese in den Griff bekommen sollen. Mit Spritzen wurde es oft versucht, doch sie halfen nur kurzfristig. Beinlich lief von Arzt zu Arzt. Diagnose: kein Nerv eingeklemmt, nichts gerissen. Die Schmerzen blieben.

Fest steht, dass Beinlich die Vorstufe eines Hammerzehs hat. Zwei Zehen drohen sich zu überlagern. Mit Einlagen versucht man, gegenzusteuern. Ein Sportartikelhersteller will einen Spezialschuh fabrizieren, der breiter ist und dafür sorgen soll, "dass meine Zehen darin richtig liegen" (Beinlich). Dass sich auch ein chinesischer Wunderheiler um den lädierten Fuß kümmert, wollte Beinlich nicht bestätigen. Es gibt glaubwürdige Zeugen, die diese Geschichte bestätigen.

Täglich fünf Stunden lang plagt sich Beinlich in einer Rehabilitationsklinik. Mannschaftsarzt Ulrich Schleicher, ein Physiotherapeut und ein Konditionstrainer überwachen die Fortschritte des 29-Jährigen. Nach dem ersten Training auf dem Laufband verspürte Beinlich noch leichte Schmerzen. Er nahm es gelassener als früher Niederlagen, "nach denen habe ich immer geheult".

Trotz aller Schmerzen hat Beinlich in dieser Saison schon 15 Bundesligaspiele und eine Europacup-Partie bestritten, "fast immer mit mehr oder weniger starken Schmerzen". So auch bei seinem letzten Pflichtspiel, im Dezember gegen den FC Bayern. Erst gönnte er, wie Schleicher es geraten hatte, dem Fuß Ruhe. Das war umso wichtiger, weil inzwischen durch die unbewusste falsche Belastung des anderen Fußes weitere Beschwerden aufgetreten waren.

Schleicher ist einer von denen, die Beinlich versprochen haben, dass die Verletzung nicht das Ende der Karriere bedeutet. Der Mannschaftsarzt hat ihm prophezeit, dass er in zwei Wochen wieder am Mannschaftstraining teilnehmen könne. Wieder mal ein Hoffnungsschimmer. Da lässt es sich am Sonnabend gelöster auf der Tribüne sitzen, wenn seine Kollegen im Olympiastadion gegen den VfL Wolfsburg kicken.

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