Sport : Steh auf und mach ihn rein!

Sven Goldmann

Nichts im Fußball ist so unabhängig von der Wahrheit wie der Mythos. Dass der Heimvorteil nicht unbedingt ein Vorteil sein muss, bestätigt Borussia Dortmund alle zwei Wochen. Neue Besen (Trainer) kehren besser? Das hätte vielleicht Peter Neururer gern. Und Gegentore fallen schon deshalb selten zu einem psychologisch ungünstigen Zeitpunkt, weil es keinen psychologisch günstigen gibt. Zur Entzauberung dieser Mythen reichen der gesunde Menschenverstand und die Lektüre des „Kicker“. Hier kommen die Forscher der Luther-Universität Halle-Wittenberg ins Spiel. Sie haben nach der Auswertung von 835 Elfmetern in der Bundesliga einen ehernen Mythos zerstört: den, dass ein gefoulter Spieler nie selbst zur Exekution eines Elfmeters schreiten darf. Schließlich entspricht seine Erfolgsquote, sagen die Hallenser, etwa der eines jeden anderen.

Die prominentesten Fehlschützen der deutschen Geschichte sind: Uli Hoeneß (1976 im EM-Finale gegen die Tschechoslowakei) und Michael Kutzop (1986 gegen Bayern Münchens Pfosten). Beiden gemein ist, dass sie mit der Entstehungsgeschichte ihrer Elfmeter nichts zu tun hatten. Die Wissenschaftler können den Bundesligatrainern also guten Gewissens empfehlen: Lasst die Gefoulten schießen! Ob sie dabei an Marko Pantelic gedacht haben? Anfang Februar verschoss der Berliner Serbe einen an ihm selbst verursachten Strafstoß gegen den HSV. Am Samstag trat er Herthas Elfmeter in Bochum – und scheiterte. Daraus folgt, wissenschaftlich gesehen, dass Herthas nächster Schütze unbedingt Marko Pantelic sein muss. Denn drei Elfer hintereinander hat in der Bundesliga niemand verschossen.

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