Sport : Steh auf, wenn du am Boden bist

Energie Cottbus richtet sich auf die Zweite Liga ein

Karsten Doneck

Cottbus. Ein bisschen Aufmunterung kann ja nicht schaden, dachte sich Ronny Gersch. Also verbreitete der Stadionsprecher des FC Energie Cottbus über die Lautsprecherboxen eine satte Erfolgsmeldung. Die C-Jugend des FC Energie habe gegen Stahl Eisenhüttenstadt den Landespokal gewonnen, und zwar in der Altersklasse der B-Jugend, mit 6:4 nach Verlängerung. Und weil das Publikum daraufhin noch immer nicht in helle Begeisterung ausbrach, setzte Gersch mit sich überschlagender Stimme noch eins drauf: „… und das nach einem 0:4-Rückstand.“ Das kam an, endlich jubelten die Zuschauer im Stadion der Freundschaft.

Es sind halt derzeit nur noch die kleinen Dinge des Fußballs, die in Cottbus Freude auslösen. Nach dem 0:0 gegen den Hamburger SV am Sonnabend wird der FC Energie, von vielen ohnehin nur als Exot betrachtet, aus der Bundesliga verschwinden. Drei Abschiedsspiele noch, und nur sehr, sehr theoretischer Natur sind die Möglichkeiten auf den Klassenerhalt. Nach 102 Erstliga-Auftritten endet das Wunder aus der Lausitz. Nur vorübergehend? Oder doch auf Dauer?

Vor dem Spiel gegen den HSV dröhnte aus den Stadionlautsprechern das Lied der Toten Hosen: Steh auf, wenn du am Boden bist! Ein schöner Appell, aber in Cottbus schwer umzusetzen. „Wenn man Fußball in guter Qualität abliefern will, dann kostet das viel Geld“, sagte Trainer Eduard Geyer. An Kapitalkraft mangelt es freilich in der Lausitz. Der Etat, bisher rund 20 Millionen Euro, schrumpft für die Zweite Liga auf etwa die Hälfte. Dazu schleppt der Verein Verbindlichkeiten in Höhe von 3,5 Millionen Euro mit sich herum.

Spektakuläre Spielereinkäufe, die den sofortigen Wiederaufstieg zum Selbstgänger machen würden, kann sich der Klub nicht leisten. Geyer, der erstmals in seiner Laufbahn absteigen muss, mahnt aber zur Eile bei der Zusammenstellung des künftigen Zweitligakaders. „Uns rennt die Zeit davon“, sagte er. Erste Verträge wurden geschlossen. Mit Ronny Nikol zum Beispiel, der ablösefrei vom 1. FC Union aus Berlin kommt. Und mit Benjamin Schöckel. Nie gehört diesen Namen? Nun, Schöckel führte sein Talent bisher in der Regionalliga beim VfR Aalen vor. Auch Torsten Mattuschka hat einen Vertrag unterschrieben. Mattuschka war bisher bei Energies Amateuren in der Oberliga am Ball.

Risikoscheu sind die Verantwortlichen in Cottbus bei ihrer Personalplanung jedoch nicht. So machten sie vorige Woche von der Option Gebrauch, die den Vertrag von Torjäger Marko Topic um ein Jahr verlängert. Der Bosnier verdient rund eine halbe Million Euro im Jahr, viel zu viel für den FC Energie, gerade in Liga zwei. Doch Cottbus hofft, Topic an einen Bundesligisten verkaufen und noch eine Ablöse herausschlagen zu können. Von 1,5 Millionen Euro ist die Rede. Wenn das nicht klappt, nähme der Klub zwar einen guten Torjäger, aber auch ein heftiges finanzielles Problem mit in die Zweite Liga.

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