Sport : Steht auf, wenn ihr für Leipzig seid!

-

Robert Ide über die

mentale Krise bei Olympia

Es gibt sie noch, die deutschen Olympia- Optimisten. Zum Beispiel Gerhard Schröder. Der Bundeskanzler ließ am Freitag erklären, dass die Leipziger Bewerbung „unverändert große Chancen“ habe. Wenn man böse wäre, könnte man sagen: Der Mann leidet unter Realitätsverlust. Denn kaum ein nationales Vorhaben rutscht Tag für Tag tiefer in die Krise als die deutsche Kandidatur für die Spiele 2012. Wenn man nicht böse wäre, könnte man sagen: Wenigstens der Kanzler hat erkannt, dass es so nicht weitergeht. Deshalb plant sein Amt bereits seit zwei Monaten einen Olympiagipfel, mit dem Leipzig aus der Krise kommen soll. Wenigstens der Kanzler ist noch zuversichtlich.

Der Rest des Landes, und das ist bedenklich, hakt das Thema inzwischen ab. Olympia in Leipzig – das steht nicht für Feuer und Flamme und Begeisterung. Das steht für Stasi, Zank, Betrug, Wahlkampf. Aus einem nationalen Vorhaben ist ein nationales Abbruchunternehmen geworden.

Pessimisten führen jetzt das Wort. Sportfunktionäre äußern sich bestürzt über das Krisenmanagement. Und die Politik ist ratlos. Am Freitag übte Düsseldorfs Oberbürgermeister Erwin öffentlich Kritik. Provinziell sei die Bewerbung und nicht national, politisiert und nicht sportlich motiviert. Erwin hat Recht mit seiner Analyse – das ist das Traurige. Der Düsseldorfer, einst Leipzigs Konkurrent bei der nationalen Kandidatur, ist der erste Politiker aus dem Bundesgebiet, der die Sachsen offen angreift. Wenn es so weitergeht, wird er nicht der Letzte sein.

Olympia in Leipzig – das ist derzeit nichts für Optimisten. Doch wenn Deutschland nicht überzeugt ist von Leipzig, dann hat die Bewerbung international keine Chance. Der Kanzler weiß das. Bis Düsseldorf hat sich diese Erkenntnis noch nicht herumgesprochen. Bis Leipzig leider auch nicht.

0 Kommentare

Neuester Kommentar