STEIL Pass : Dann doch lieber Borsti

Philipp Köster über grimmige Ordner und gewitzte Anhänger

Philipp Köster

Am letzten Wochenende schmissen Nürnberger Anhänger beim Auswärtsspiel in Frankfurt so viele Feuerwerkskörper aufs Spielfeld, dass eine sechsköpfige Familie aus Marzahn damit locker ihren Silvesterabend hätte bestreiten können. Und nun wundern sich viele, wie denn die Franken bitte schön dieses beeindruckende Arsenal an Chinaböllern und Feuertöpfen ins Stadion schmuggeln konnten. Wo doch an den Eingängen immer grimmige Herren mit beeindruckenden Stiernacken stehen, die jeden Besucher mit Lederhandschuhen nach mitgebrachten Sprengstoffen und Eierhandgranaten absuchen. Jedenfalls in der Theorie. In der Praxis jedoch, weiß der erfahrene Stadiongänger, werden die Zuschauer von Klub zu Klub ganz unterschiedlich streng durchsucht. Mancherorts hält man die Durchsucherei für eine überflüssige Schikane des Ligaverbandes. Dort würde man selbst dann gelangweilt durchgewinkt, wenn man zu zweit eine Kiste mit der Aufschrift „Vorsicht Explosiv“ durch die Kasse tragen würde. In anderen Stadien hingegen werden selbst die Handtaschen älterer Damen mit finsterem Blick nach illegaler Pyrotechnik durchsucht und siebenjährige Buben ins Kreuzverhör genommen.

Doch, auch das zeigt die Erfahrung, ganz gleich, wie rigide die Sicherheitsvorkehrungen in den Stadien auch sind, irgendeine Lücke im Zaun finden Fans immer. Schließlich vergeht kaum ein Bundesliga-Spieltag, an dem es nicht in irgendeinem Stadion ein Nebeltopf aus Bundeswehrbeständen gezündet wird. Und mitunter sind es auch noch größere Gegenstände und Nutztiere, die den Weg durch die Einlasskontrollen schaffen. Anhänger des 1. FC Union Berlin schmuggelten beispielsweise mal bei einem Hochsicherheitsspiel in Babelsberg ein lebendes Schwein ins Stadion und ließen „Borsti“, so hieß das sympathische Ferkel, auf dem Rasen herumrennen. Tröstlich allein, dass es in Deutschland noch gemäßigt zugeht. In Italien haben sie vor Jahren sogar ein Mofa ins Stadion geschleppt und vom Oberrang geworfen. Und in Spanien bekam Luis Figo nach seinem Wechsel von Barcelona zu Real Madrid einen Schweinekopf aus der Metzgerei vor die Füße geworfen. Igittigitt.

Dann doch lieber Borsti.

„11 Freunde“-Chefredakteur Philipp Köster schreibt an dieser Stelle im Wechsel mit Stefan Hermanns.

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