STEIL Pass : Das Länderspiel seines Lebens

Philipp Köster über die kurze Karriere des Zoltan Sebescen

Philipp Köster

Sagt Ihnen der Name Zoltan Sebescen noch etwas? Nein, kein heißblütiger ungarischer Fürst, der Sissi in „Schicksalsjahre einer Kaiserin“ den Kopf verdreht. Zoltan Sebescen war ein durchaus passabler Bundesligaspieler bei Bayer 04 Leverkusen und errang eine etwas traurige Berühmtheit durch das einzige Länderspiel, dass er gemacht hat.

In seinem Debüt gegen Holland spielte ihn sein Gegenspieler Boudewijn Zenden eine Halbzeit lang schwindlig, dann tauschte ihn Trainer Erich Ribbeck. Sebescen galt fortan als typischer Vertreter des deutschen Rumpelfußballs. Er spielte nie wieder für die Nationalelf. Und auch sonst war Sebescen nicht vom Glück verfolgt, er spielte nur vier Jahre in der Bundesliga, dann beendeten ein nicht erkannter Zeckenbiss und ein kaputtes Knie seine Laufbahn.

Wenn man aber Sebescen heute nach dem größten Ereignis seiner Fußballerkarriere fragt, nennt er ohne zu Zögern das Spiel gegen Holland und sagt: „Sie können ja mal durchrechnen, wie viele Fußballspieler es in Deutschland gibt und wie viele davon ein Länderspiel gemacht haben. Da kommen nicht viele zusammen.“

Damit hat Sebescen Recht und beschämt uns Anhänger. Denn wir haben uns angewöhnt, Fußballspieler immer nur an den höchsten Maßstäben zu messen. Nie Deutscher Meister gewesen, nie den DFB-Pokal hochgehalten, nie bei einer Weltmeisterschaft dabei gewesen? Das kann ja nur ein höchst mittelmäßiger Spieler gewesen sein. Und wir vergessen dabei, wie viel Disziplin, Talent und eisernen Willen ein junger Spieler braucht, um Profifußballer zu werden.

Zoltan Sebescen stand mit Leverkusen im Finale der Champions League, er war Stammspieler in der besten deutschen Mannschaft des letzten Jahrzehnts. Das macht ihn zu einem herausragenden Sportler. Als sein Vertrag in Leverkusen auslief, verabschiedete man ihn mit einem feuchten Händedruck. Er hätte mehr Anerkennung verdient gehabt. Von Bayer Leverkusen und von uns.

„11 Freunde“-Chefredakteur Philipp Köster schreibt jeden Freitag an dieser Stelle im Wechsel mit Stefan Hermanns.

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