STEIL Pass : Eine Idee für den Osten

Philipp Köster diskutiert mit Matthias Sammer

Philipp Köster

Am Mittwoch war ich auf eine Podiumsdiskussion in Leipzig zum heiklen Thema „Wer hat die bundesligataugliche Idee für den Osten?“

Heikel deshalb, weil sich derzeit die Bundesliga mal wieder anschickt, gänzlich ohne Vereine aus den neuen Bundesländern auszukommen. Heikel aber auch, weil ich ehrlich gesagt keinen blassen Schimmer habe, wie der ostdeutsche Fußball zu retten ist und deshalb besser gar nicht erst mitdiskutiert hätte.

Dass die Diskussion trotzdem große Unterhaltung wurde, lag an den anderen Teilnehmern der Runde. Etwa an DFB-Sportdirektor Matthias Sammer, der in einer Endlosschleife repetierte, dass Vereine „von Menschen gemacht werden“ und dabei an die Frau von Reverend Lovejoy erinnerte, die in jeder zweiten Simpsons-Folge mahnt: „Denkt denn auch mal jemand an die Kinder?“

Nur einmal wurde Sammer laut. Als es nämlich um die Gewalt in den ostdeutschen Stadien ging, bellte Sammer plötzlich: „Hört doch auf damit, das wollen die Leute hier nicht mehr hören.“ Als danach immer noch nicht Schluss war mit dem Thema, wurde Sammer noch lauter und blökte „Ende!“ in die Runde. Und man bekam in dem Moment eine Ahnung, warum Jürgen Klinsmann und Oliver Bierhoff es damals besser gefunden hätten, wenn jemand anders Sportdirektor geworden wäre.

Genauso unterhaltsam war ZDF-Mann Wolf-Dieter Poschmann, der gegen Traditionalisten wetterte, die die Ostklubs heruntergewirtschaftet hätten, dem aber auf Nachfrage von Alt-Trainer Hans Meyer spontan auch kein Beispiel für diese steile These einfiel. Am Ende durfte Filmrechtehändler und Stadionbesitzer Michael Kölmel noch verkünden, dass Investoren mehr Macht in den Vereinen bekommen sollten, schließlich stünden diese für langjährige Verlässlichkeit. Was auch wieder erhellend war, weil wir Investoren bislang immer mit kurzfristigem Gewinnstreben assoziiert haben.

Am Ende fuhr ich von Leipzig wieder nach Berlin und wusste immer noch nicht, wie der Osten zu retten ist. Aber Podiumsdiskussionen werden eben auch nur „von Menschen gemacht“ (Matthias Sammer).

„11 Freunde“-Chefredakteur Philipp Köster schreibt an dieser Stelle im Wechsel mit Stefan Hermanns.

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