STEIL Pass : Endlich lernen

Stefan Hermanns über die neue Rolle von Lukas Podolski bei den Bayern

Stefan Hermanns

Die sommerliche Frustkauforgie der Bayern hat bei der interessierten Öffentlichkeit zwei sehr unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen: zum einen die – je nach Sympathie zu den Bayern – Freude auf respektive Furcht vor einer nicht zu bändigenden Dominanz der Münchner; zum anderen die Sorge um unsere 2006er Sommerhelden Bastian Schweinsteiger und vor allem Lukas Podolski. Im Fall Schweinsteiger hat sich diese Sorge vorerst als unbegründet herausgestellt. Die neue Konkurrenz hat den Mittelfeldspieler erkennbar beflügelt, am vergangenen Wochenende hat er sogar Hamit Altintop, den erklärten Lieblingsspieler von Uli Hoeneß, aus der Münchner Startelf verdrängt.

Bei Lukas Podolski stellt sich die Angelegenheit etwas anders dar. Selbst wenn er demächst seine Verletzung überwunden haben sollte, wird sich im neuen Sturm der Bayern mit Klose und Toni nur schwer ein Plätzchen für ihn finden lassen. Für den Nationalspieler, mit 22 Jahren noch immer in einem entwicklungsfähigen Alter, wäre dies eine ganz neue Erfahrung – im Hinblick auf den Fortgang seiner Karriere vielleicht sogar eine sehr hilfreiche. Lukas Podolski kann zum ersten Mal das sein, was er bisher nie sein musste oder durfte: ein Lernender.

Als er mit 18 aus der A-Jugend des 1. FC Köln zu den Profis aufrückte, dauerte es nicht allzu lange, bis er sämtliche Hoffnungen auf den Klassenerhalt schultern musste. Nicht mal ein Dreivierteljahr später, im Sommer 2004, sollte er eine träge deutsche Nationalmannschaft mit jugendlichem Elan zum EM-Titel führen, und überhaupt: Wer, wenn nicht Podolski, wird je unsere Sehnsucht nach einem neuen deutschen Weltstar erfüllen können? Dass sein Spiel immer schon und immer noch etliche Schwächen aufweist, darüber wurde im Zuge der allgemeinen Poldimania allzu gnädig hinweggesehen.

Nichts illustriert Podolskis Unbelecktheit in elementaren taktischen Dingen (aber auch sein Selbstverständnis) besser als die Antwort, die er einmal auf die Frage gegeben hat, ob er beim Spiel ohne Ball nicht noch viel lernen müsse. „Spiel ohne Ball?“, erwiderte er. „Da kann ich keine Tore schießen.“ Lukas Podolski muss nicht nur viel lernen, er muss vor allem ganz von vorne beginnen.

Stefan Hermanns schreibt an dieser Stelle im Wechsel mit „11 Freunde“-Chefredakteur Philipp Köster.

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