STEIL Pass : Für Jahre unschlagbar?

Man verschreibe dem deutschen Kampffußball ein bisschen holländische Leichtigkeit – und schon wird alles gut. Doch in der Praxis funktioniert dieser Plan einfach nicht. Stefan Hermanns über holländische Trainer in der Bundesliga.

Stefan Hermanns

Dass der Fußball nicht wie eine mathematische Gleichung funktioniert, wissen wir spätestens seit Karl-Heinz Rummenigge; aber niemand wird bestreiten, dass es im Fußball eine Sehnsucht nach Planbarkeit gibt. Auch und gerade beim FC Bayern, der die Verpflichtung des neuen Trainers Louis van Gaal wie eine Mathematikaufgabe gelöst hat. Die Ausgangslage: ein mehr als ordentlich besetzter Kader. Das Ziel: schöner und erfolgreicher Fußball. Die Lösung: ein Trainer, der aus sehr guten Spielern eine sehr gute Mannschaft macht. Was läge also näher, sich in einem Land zu bedienen, in dem schöner Fußball ein in der Verfassung verankertes Grundrecht ist?

In der Theorie ist das natürlich eine geniale Idee. Man verschreibe dem deutschen Kampffußball ein bisschen holländische Leichtigkeit – und schon wird der deutsche Fußball auf Jahre hinaus unschlagbar sein. Das Problem ist: In der Praxis funktioniert dieser Plan einfach nicht. Die bisherige Geschichte holländischer Trainer in der Bundesliga ist eine Geschichte des Scheiterns. Rinus Michels, der renommierteste Trainer unseres Nachbarlandes? Mäßig erfolgreich in Köln und Leverkusen. Oder Dick Advocaat, vor einem Jahr gefeierter Uefa-Cup-Sieger mit St. Petersburg? Wurde bei Borussia Mönchengladbach schon nach sechs Monaten mit Schimpf und Schande vom Hof gejagt. Fred Rutten erging es bei Schalke nicht anders. Der einzige Holländer, der in Deutschland wirklich was gerissen hat, war Huub Stevens. Aber um welchen Preis? Stevens ist inzwischen so deutsch, dass er in seiner Heimat, beim PSV Eindhoven, zuletzt schon nach sechs Monaten mit Schimpf und Schande vom Hof gejagt wurde.

Stefan Hermanns schreibt an dieser Stelle im Wechsel mit Philipp Köster.

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