STEIL Pass : Gooooooool in Cottbus

Früher gab es genau drei Möglichkeiten, das Spiel seines Heimatvereins zu verfolgen. Man konnte ins Stadion gehen, Radio hören oder auf die Sportschau warten. Heute aber marschiert der Fortschritt so atemberaubend voran, dass wir analog aufgewachsenen Anhänger gar nicht mehr hinterherkommen. Philipp Köster über die Bundesliga auf halblegalen Internetseiten.

Der letzte Schrei: die Bundesliga auf obskuren asiatischen oder neufundländischen Internetseiten angucken. Das funktioniert, weil sämtliche Bundesligaspiele ja auch ins Ausland übertragen werden und Leute in Übersee das dortige Bild ins Netz stellen.

Das ist, soweit ich weiß, allenfalls halblegal, ich habe deshalb am letzten Samstag nur ganz kurz, also ungefähr 90 Minuten lang, hingeschaut. Das Bild des kanadischen Anbieters war allerdings miserabel und der gelangweilte Kommentator referierte nebenher Ergebnisse von unterklassigen Pferdewetten aus Großbritannien. Was ich noch merkwürdiger fand: Hinterher diskutierte ein nordamerikanisches Expertenteam über die Bundesliga. Und wovon die alles Ahnung hatten: Verletzte beim FC Bayern, Chaos auf Schalke, Trauer in Karlsruhe und in Berlin tanzt der Manager. Noch bizarrer ist allerdings, wenn man sich in südamerikanische Kanäle einwählt. Deren heißblütige Kommentatoren feiern auch eher unspektakuläre Tore von Cottbus oder Bielefeld mit einem „Gooooooool“, das erst nach 15 Minuten endet, weil der Kommentator wegen akuter Luftnot intubiert werden musste. Was kommt als Nächstes? Bundesliga auf äthiopischem Sender mit rumänischem Kommentator, der schottische Pferdewetten verliest? Am besten, man geht samstags doch wieder ins Stadion.

Philipp Köster schreibt an dieser Stelle im Wechsel mit Stefan Hermanns.

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