STEIL Pass : Lügen lernen

Es war auf den ersten Blick ein lustiger Satz, den Felix Magath sagte, um zu begründen, warum er zukünftig nicht mehr beim VfL Wolfsburg arbeiten möchte. Philipp Köster über den Zwang zur Unwahrheit im Fußballgeschäft.

Philipp Köster

Natürlich war es nicht das Geld und auch nicht der fehlende Glamour in der pittoresken Autostadt im Zonenrandgebiet. Stattdessen verkündete Magath, er habe mit dem VfL schon alle Ziele erreicht. Was uns spontan vermuten lässt, die Wolfsburger hätten als Serienmeister und mehrfacher DFB-Pokalsieger nun endlich auch die Champions League gewonnen. Und Magath trete nun gesättigt ab, weil mehr schlicht nicht mehr geht. Dabei ist der Trophäenschrank des VfL noch gähnend leer, und womöglich kommt am Ende der Saison doch nur die Holzmedaille für den Zweitplatzierten dazu.

Aber was hätte Magath auch anderes sagen sollen? Hätte er darauf verweisen sollen, dass ihm auf Dauer beim VfL die großen Gefühle fehlen? Hätte er verkünden sollen, dass Schalke eben mehr Kohle rausrückt? Hätte er milde erwähnen sollen, dass sie ihm auf Schalke ein überlebensgroßes Denkmal bauen werden, wenn er das Derby gegen Dortmund gewinnt, während in Wolfsburg sicher auch in der Champions League noch Restkarten an die örtlichen Gymnasien verteilt werden müssen?

Nein, manchmal wird man im Fußballgeschäft zum Lügen gezwungen. Spieler loben beim Trainingsauftakt die Fans des neuen Klubs als beste der Welt, auch wenn der Verein SV Wehen oder Greuther Fürth heißt. Bankdrücker verkünden jede Woche, »jetzt aber noch mal richtig anzugreifen und sich im Training anzubieten«, obwohl sie händeringend einen neuen Klub suchen. Und Felix Magath hat eben schon alles erreicht.

Philipp Köster schreibt an dieser Stelle im Wechsel mit Stefan Hermanns.

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