STEIL Pass : Schön ist, was rar ist

Zu den Gesetzmäßigkeiten im Leben jedes Fußballfans gehört die Erkenntnis, dass von zehn besuchten Fußballspielen neun in die Kategorie "unterirdisch" gehören. Philipp Köster weiß, warum sich Fußballfans miserable Spiele antun.

Philipp Köster

Mein Heimatverein Arminia Bielefeld hat vorletzte Woche mit 2:4 daheim gegen den Hamburger SV verloren, nach klarer 2:0-Führung zur Halbzeit. Am Ende wurden die Arminen, obwohl sie verloren hatten, mit stehenden Ovationen in die Kabine geschickt. Mich hat diese Geste gerührt. Weil sie anerkannte, wie sehr die Mannschaft gekämpft hatte. Und weil sie deutlich machte, dass es nicht immer darauf ankommt, am Ende auch gewonnen zu haben.

Denn es ist ja so: Zu den Gesetzmäßigkeiten im Leben jedes Fußballfans gehört die Erkenntnis, dass von zehn besuchten Fußballspielen neun in die Kategorie „unterirdisch“ gehören und nur eines in die Sparte „mittelmäßig bis annehmbar“. Das bedeutet weiter, man ist neun von zehn Wochenenden damit beschäftigt, sich unmotivierte Fehlpässe, missglückte Dribblings und verrutschte Torschüsse anzuschauen. Die paar unvergesslichen Partien, in denen der eigene Klub noch kurz vor Schluss ein 0:2 in einen Heimsieg dreht oder den haushohen Favoriten deklassiert, kann jeder Fan an einer Hand abzählen.

Außenstehende mögen ob dieser miserablen Quote den Kopf schütteln und sich fragen, warum man sich das antut. Und die Vereine versuchen krampfhaft, jeden Stadionbesuch für den Zuschauer unabhängig vom Ergebnis zu einem Erlebnis zu machen, mit großem Vorprogramm, krakeelenden Stadionsprechern und Gewinnspielen am laufenden Band. Was für eine vergebliche Liebesmüh. Denn die Fans selbst wissen, dass das schon so seine Richtigkeit hat. Denn die ganz großen Momente des Fußballs sind auch deshalb welche, weil sie so rar sind. Am vorletzten Samstag, das klare 2:4 gegen Hamburg, war ein solcher Moment.

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