Steilpass : Absicht oder nicht - das darf nicht die Frage sein

Hier irrte sogar Ottmar Hitzfeld. Stefan Hermanns über die ewige Diskussion um das Handspiel - samt einem Vorschlag, wie das Regelwerk verbessert werden kann.

Stefan Hermanns

Kaum ein Thema erregt die Fußballöffentlichkeit in so schöner Regelmäßigkeit so sehr wie die Frage: Hand oder nicht Hand? Wobei das schon der erste Irrtum ist – das entscheidende Kriterium ist: Absicht oder nicht Absicht? Man kann das in der ganzen Aufregung schon mal vergessen, so wie Ottmar Hitzfeld als TV-Experte beim Champions-League-Spiel der Bayern gegen Bordeaux. Nachdem Michael Ciani im Strafraum mit der Hand auf den Ball gestürzt war, dekretierte Hitzfeld: Klarer Elfmeter, Rote Karte dazu. Der Schiedsrichter aber sah keine Absicht und ließ weiterspielen.

Genau da liegt das Problem. Die derzeitige Regel eröffnet dem Ermessen des Schiedsrichters zu viel Spielraum. Wann liegt Absicht vor? Welche Armbewegung ist unnatürlich? Wie schwierig die Angelegenheit ist, zeigt sich schon an der unterschiedlichen Auslegung von offensivem und defensivem Handspiel. Bekommt der Verteidiger den Ball an die Hand, wird zwischen natürlich und unnatürlich unterschieden; passiert das Gleiche einem Stürmer, wird er in der Regel zurückgepfiffen.

Im Grunde hatte Hitzfeld Recht, weil Bordeaux'' Verteidiger ein Tor verhindert hatte. Es soll nicht um Absicht oder nicht gehen, es geht darum, ob sich jemand per Hand einen Vorteil verschafft. Das, und nur das, sollte das Kriterium für die Bewertung eines Handspiels sein. Sonst passiert, was Hertha BSC vor sieben Jahren bei 1860 München widerfahren ist. Andreas Neuendorf versuchte den Ball aus dem Strafraum zu schlagen, traf dabei die flache Hand des Münchners Markus Schroth, und von da patschte der Ball ins Tor. Der Treffer zählte, dem Buchstaben des Gesetzes nach sogar zu Recht. Aber wie heißt das Spiel noch mal?

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