Steilpass - Ausland : Enner Valencia: Tore statt Alimente

Sebastian Stier weiß in unserer Kolumne, wie man kinderreiche Profis motiviert. Beispiel Enner Valencia. Der kann mitunter sehr kreativ sein.

von
Balla balla, baby! Enner Valencia feiert ein Tor in der WM-Qualifikation. Foto: dpa/Alipaz
Balla balla, baby! Enner Valencia feiert ein Tor in der WM-Qualifikation.Foto: dpa/Alipaz

Fußballprofi möchte ich nicht sein. Von allem haben die zu viel. Geld, Zeit, Tätowierungen, Frauen, Autos (meist genau in dieser Reihenfolge). Wie soll man sich da noch motivieren? Training am Vormittag? Reicht auch die Nachmittagseinheit. Auswärtsspiel in Sunderland? Können die anderen erledigen. Der Stürmer Enner Valencia hatte jedenfalls so seine Probleme, sich für den Arbeitsalltag beim FC Everton zu begeistern.

Anders ist das, wenn er für sein Heimatland Ecuador antritt. Dann kann Valencia mitunter kreativer sein als Benjamin von Stuckrad-Barre im Kokainrausch. Und das nicht nur mit dem Ball. Im Spiel gegen Chile wirbelte er zunächst die gegnerischen Abwehrreihen durcheinander, täuschte dann kurz vor Schluss eine Verletzung vor, nur um sich per Krankenwagen aus dem Stadion bringen zu lassen. Am Spielfeldrand hatte nämlich schon die Polizei gewartet. Ausstehende Unterhaltszahlungen und so. Aber ein Enner Valencia lässt sich nicht einfach einknasten.

Wenige Tage später, die Sache war anscheinend geklärt, spielte Valencia auswärts in Bolivien, als sei nicht die Polizei, sondern der Teufel persönlich hinter ihm her. Mit seinen zwei Toren rettete er Ecuador einen Punkt. Ich vermute stark, dass Valencia in der Zwischenzeit eine Unterhaltsprämie ausgehandelt hatte. Statt ihn nach Toren zu bezahlen, bekommt er vom Verband pro Treffer nun bestimmt einen Monat Unterhalt erstattet.

Ein Modell, das auch in Europa Erfolg versprechen könnte. Fußballer mit mehr Kindern als Saisontoren gibt es in jedem Klub in jeder Liga. Eine Unterhaltsprämie könnte da neue Kräfte freisetzen bei den sonst so gelangweilten Kickern. Tore gegen Alimente. Es muss ja nicht immer gleich die Polizei am Spielfeldrand auftauchen. Womöglich reicht es schon, wenn in regelmäßigen Abständen ein Mitarbeiter des Jugendamtes beim Training vorbeischaut. Ein weiterer Vorteil: Viele Vereine würden sich künftig die Honorare für Motivations- und Mentaltrainer sparen. Schluss mit all dem Hokuspokus. Am Ende geht doch nichts über eine vernünftige Drohkulisse.

Die Kolumne Steilpass erscheint im gedruckten Tagesspiegel auf der Seite 11Freunde freitags.

Autor

0 Kommentare

Neuester Kommentar