STEILPASS Ausland : Tarnkappe aus Pappmaschee

Dominik Bardow ist nicht mal so glaubwürdig wie Berater und Internet.

Manchmal frage ich mich, wer diese Kolumne eigentlich liest. Sende ich ins Leere wie die Nasa-Antennen, auf der Suche, ob es da draußen Leser gibt? Nicht mal erboste Zuschriften bekomme ich, und die bekommt man eigentlich immer. Ich habe mich neulich mit einem Kollegen ausgetauscht, der die Party-Kolumne in einer Beilage schreibt (keine Angst, lese ich auch nicht), und wir beschlossen, unsere Texte dem US-Militär zu verkaufen. Das könnte Tarnkappenbomber mit Kolumnenpappmaschee bekleben und käme unbemerkt an jedem Radar vorbei.

Doch neulich las ich, dass andere Schreiber große Wirkung erzielen. Ein 18-Jähriger hat bei Twitter monatelang die englische Presse an der Nase herumgeführt. Er gab sich als Spieleragent aus und verbreitete wilde Transfergerüchte über das Internet, die in einigen seriösen Zeitungen veröffentlicht wurden. Sein größter Erfolg war ein angeblicher Transfer von Radamel Falcao zum FC Chelsea. „Ich habe euch leichtgläubige Idioten mit meinen falschen Geschichten zwei Monate hereingelegt“, schrieb er schließlich. „Ich bin stolz zu sagen, dass nicht eine Geschichte stimmte, aber die Leute mich für glaubwürdiger halten als die BBC.“ Dann löschte er sein Twitter-Konto.

Ich bin nicht stolz zu sagen, dass nicht jeder Fakt in meinen Kolumnen immer hundertprozentig stimmte. Aber bekommt ja keiner mit. Oder ich bin nicht mal so glaubwürdig wie Spieleragenten oder das Internet. Ein letzter Versuch: Psst, Falcao wechselt zu Eintracht Frankfurt. Erzählen Sie es ruhig weiter.

Dominik Bardow schreibt über das Ausland, Lars Spannagel über deutschen Fußball und Dirk Gieselmann über Fußballfans.

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