Steilpass : Cristiano ist der neue Kevin

11-Freunde-Chefredakteur Philipp Köster über Fußballer als Namenspaten.

Philipp Köster

Gestern wartete ich im westfälischen Kamen am Bahnhof auf einen Zug, als neben mir eine Mutter ihre Kinder maßregelte. Das Erstaunliche: Die Kinder hießen „Diego“ und „Bruce Lee“. Nun weiß man seit Jimi Blue Ochsenknecht, dass Eltern in Fragen der Namensgebung beratungsresistent sind. Ich hätte die junge Mutter aber zu gerne gefragt, ob der eine Sohn womöglich nach Werder Bremens Mittelfeldregisseur benannt worden ist, und wenn ja, ob nach dem Weggang des Brasilianers eine Umbenennung des Sohnes geplant ist. Die Mutter stieg dann aber mit Bruce Lee und Diego in einen anderen Waggon ein.

Und so dachte ich darüber nach, ob es im modernen Profifußball Sinn macht, prominente Kicker als Namenspaten heranzuziehen. Wer zum Beispiel als Zeichen emotionaler Verbundenheit mit dem FC Bayern sein Neugeborenes Franck nennt, hat womöglich genauso Pech, wie all die Kölner Eltern, die nach dem Podolski-Wechsel nach München lauter kleine Lukasse beim Standesamt eingereicht haben. Und wenn in Stuttgart und Umgebung viele kleine Marios in den Kindergärtern angemeldet werden, war das womöglich von den Eltern auch kurzsichtig. Mal von den geistesverlassenen Familien ganz abgesehen, die sich von internationalen Stars inspirieren lassen. Um es unbarmherzig zu formulieren: Cristiano ist der neue Kevin.

Da loben wir uns doch das Ehepaar aus Bielefeld, das sein Kind nicht nach einem Jungschnösel mit lackierten Haaren benannt hat, sondern auf Wertbeständigkeit geachtet hat. Der Junge wurde nämlich nach dem schnauzbärtigen Bundesliga-Schiedsrichter Wack benannt. Das Kind heißt jetzt Franz-Xaver. Allemal besser als Diego und Bruce Lee.

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