Steilpass - die andere Fußballkolumne : Blicke von Magath

Das gibt es auch nicht alle Tage: Unser Kolumnist Dominik Bardow tritt im Fernsehen auf. Doch so ein Einsatz als TV-Experte hat durchaus seine Tücken, wie unser Autor zu berichten weiß.

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Dominik Bardow, Kolumnist mit Bart.
Dominik Bardow, Kolumnist mit Bart.Foto: Tsp

Ich bin ja eher ein Mann des geschriebenen Wortes, aber am Mittwoch war ich im Fernsehen. Sky hatte mich in seine Champions-League-Sendung eingeladen, als Experten für internationalen Fußball. Da will man sich nicht blamieren. Da stand ich also, im Anzug, abgepudert und verkabelt, bereit zum Auftritt, und die Anspannung stieg.

Neben mir stand der zweite Studiogast, Ottmar Hitzfeld. „Mein erster Live-Auftritt“, beichtete ich ihm. „Das Wichtigste ist, hellwach zu sein“, sagte er mir und nickte aufmunternd. Der dritte Gast, Felix Magath, musterte mich von oben bis unten und fragte: „Sind Sie auch vorbereitet?“

„Das wird sich zeigen“, sagte ich, und wir schritten ins Studio. Doch in mir wuchsen die Zweifel. Das gesprochene Wort ist so tückisch. Entweder wirkt man wie ein Ahnungsloser oder wie ein Besserwisser.

Am Studiotisch ließ sich Magath seinen Tee bringen, die Schale mit Weingummi schob er zu mir und sagte: „Wenn man einmal damit anfängt, kann man nicht mehr aufhören.“ Diese Dortmunder, wie spricht man die noch mal aus? Aubameyang, Mchitarjan, Namen wie Fallstricke. Panisch griff ich in die Schale, das Weingummi verklebte mit den Wörtern in meinen Bauch. Magath rührte in seiner Tasse und musterte mich. Fühlten seine Spieler die gleiche Angst vorm Versagen bei diesem Blick? All diese Zweifel. Wenn man einmal damit anfängt ...

Wieder live auf Sendung, noch 30 Sekunden, 10 ... „Wie schätzen Sie Dortmunds Neue ein?“, fragte der Moderator. Völlige Leere in meinem Kopf. „Mikitarian ist ein Glücksgriff“, kam eine Stimme vom anderen Ende des Tisches: Ottmar Hitzfeld. Ich war gerettet. Lächelte er mir etwa zu? Felix Magath schlürfte seinen Tee.

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