Steilpass - die andere Fußballkolumne : Mensch vor Bank

Unser Kolumnist Lars Spannagel glaubt, dass der Fußball in Zeiten des Bundestagswahlkampfs durchaus etwas von der Politik lernen kann. Allerdings gilt das auch umgekehrt - irgendwie.

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Lars Spannagel ist schon im Wahlfieber.
Lars Spannagel ist schon im Wahlfieber.Foto: Tsp

An den Laternen hängen die Köpfe, alle gucken nur auf den Ball. Der Freudentaumel über die ersehnte Rückkehr des Bundesligafußballs hat ein anderes Bundes-Großereignis zuletzt völlig überstrahlt. Dabei steht ein Datum an, das für die Zukunft dieses unseres Landes kaum weniger bedeutsam ist als der dritte Spieltag an diesem Wochenende: der Tag der Bundestagswahl. Nun gut, der Wahlkampf weckt zurzeit weniger Emotionen als Partien wie Hoffenheim gegen Freiburg oder Mainz gegen Wolfsburg. Dabei kann die Welt des Fußballs durchaus etwas von der Politik lernen. Einige Wahlkampfslogans scheinen sogar wie gemacht für die aktuelle Liga-Lage.

Aufsteiger Braunschweig könnte seinen Fans nach null Punkten aus zwei Spielen analog zu einem Plakat der Piratenpartei zurufen: „Wir hatten es uns auch einfacher vorgestellt.“ Die in Hoffenheim aussortierten Profis Tim Wiese und Eren Derdiyok sollten sich eine humanistische Forderung der Grünen zu eigen machen, um bei Dietmar Hopp für ihre Wiedereingliederung in den Profikader zu forcieren: „Mensch vor Bank.“

Und mit dem FDP-Slogan „Mitte entlasten“ könnten Arjen Robben und Frank Ribéry ihren Chef Pep Guardiola dazu bewegen, seine manische Fixierung auf das Zentrum des Spielfelds zu überdenken und die Flügelzange des FC Bayern neu zu beleben.

Andersrum kann sich natürlich die Politik auch vom Fußball etwas abschauen. Noch ist es dafür nicht zu spät, für die CDU schwebt mir ein mitreißendes Plakatmotiv vor. Volker Kauder, grimmig die Zähne fletschend, darunter der Appell an Stamm- und Wechselwähler: „Und am 22. September niemals vergessen: Eisern Union wählen.“

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