Steilpass - die andere Fußballkolumne : Schweigen fürs Team

Kolumnen mit Bart sind das Markenzeichen von Dominik Bardow. Dabei ist Bart nicht gleich Bart und wie unser Autor aus eigener Erfahrung weiß, muss nicht jedes Kompliment für seine Kolumne auch so gemeint sein.

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Dominik Bardow, Kolumnist mit Bart.
Dominik Bardow, Kolumnist mit Bart.Foto: Tsp

Ein Markenzeichen zu haben, das ist wichtig in der heutigen Zeit. Ich setze auf meinen Bart, der hebt mich von anderen glatten Köpfen ab. Kolumnen mit Bart, das ist meine Marke. Deshalb verstehe ich auch nicht, warum sich Ronaldinho die Zähne hat richten lassen. Der Brasilianer war ja nicht in erster Linie für Tricks und Tore berühmt, sondern für seine Zahnlücke. Die hat er jetzt mit Porzellan zuspachteln lassen. Schade.

Vielleicht war dieses Markenzeichen nicht unverwechselbar genug. Das kann ich verstehen. Wir hatten neulich eine Schulklasse in der Redaktion, ein Junge kam direkt auf mich zu und sagte: „Sie sind doch der mit der Kolumne? Sie lese ich am liebsten.“ Seine Augen leuchteten, meine Augen leuchteten. „Sie sind doch der Werder-Fan, oder?“ Der Werder-Fan, das ist Dirk Gieselmann, Kolumnenkollege und ebenfalls Markenbartträger.

Fußball ist ein Mannschaftssport, es geht auch mal darum, den Mitspieler besser aussehen zu lassen. Ich habe da Erfahrung. In Italien spielte ich mal in einer bunt zusammengewürfelten Studentenmannschaft: Deutsche, Franzosen, Ungarn, ein Schotte, ein Litauer, ein Italiener. Der Italiener war aber schnell wieder weg. Wir hatten das Team „Internazionale“ genannt, das fanden wir passend, er nicht, als Fan des AC Mailand.

Beim Uni-Turnier durfte ich in der Vorrunde aufs Feld, aber als wir unser erstes K.-o.-Spiel knapp gewonnen hatten, lief unser Kapitän direkt zur Bank und sagte zu mir: „Danke, dass du draußen geblieben bist. Das war echt wichtig.“ Was man daraus lernt? Man muss auch einfach mal schweigend dasitzen und Komplimente annehmen, fürs Team.

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