Steilpass : Einmal mit den Stollen klackern

Zu den ewigen Träumen jedes Anhängers gehört, ein einziges Mal im Trikot seines Lieblingsvereins aufzulaufen. Philipp Köster malt sich ein kurze Profi-Karriere aus.

Philipp Köster

Was würde ich darum geben, einmal mit klackernden Stollen und dem blauen Trikot von Arminia Bielefeld durch den Spielertunnel zu laufen, ein bisschen mit den Kollegen über die Preise für italienische Sportwagen fachzusimpeln, schon mal beim Schiedsrichter gut Wetter zu machen („Hemd steht Ihnen gut! Haben Sie abgenommen?“) und das Einlaufkind an meiner Hand zu verunsichern („Nicht stolpern, sonst lacht das ganze Stadion über Dich!“). Auf dem Rasen würde ich dann bei der Platzwahl versuchen, mit Taschenspielertricks die Seitenwahl zu gewinnen und alles daran setzen, dem gegnerischen Kapitän mit meinem frisch geschliffenen 24-Zentimeter-Alustollen den Fuß zu lochen („Entschuldigung, war Absicht!“). Nach dem Anpfiff müsste es darum gehen, möglichst lange mitzuspielen, ohne dass auffällt, dass ich sogar in der Kreisliga C nach fünf Minuten schwere Atemprobleme bekommen würde. Nach sieben Minuten lasse ich mich dann wegen einer Stauchung des Syndesmosebandes oder einer Zerrung im Musikantenknochen auswechseln und hinke unter dem Beifall der Zuschauer in die Kabine, denen Gott sei Dank nicht auffällt, dass ich mir erst ans linke und dann ans rechte Bein gegriffen habe. Anschließend verkünde ich in der Pressekonferenz meinen Rücktritt vom Leistungssport — mit der Begründung, ich hätte schon alles erreicht. So ungefähr könnte es laufen. Ich würde allerdings nicht schon an diesem Wochenende beim Spiel der Arminia in Cottbus auf meinen Einsatz bestehen. Lieber eine Woche später, da wird’s einfacher, da geht’s gegen die Bayern.

Philipp Köster schreibt an dieser Stelle im Wechsel mit Stefan Hermanns.

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