• STEILPASS Fans: Hysterie um Halbkönner Dirk Gieselmann will kein Fußballfanatiker sein

STEILPASS Fans : Hysterie um Halbkönner Dirk Gieselmann will kein Fußballfanatiker sein

Wir leben in einer Zeit der Inflation, nicht nur wirtschaftlicher, sondern auch sprachlicher Natur: Begriffe werden aufgeblasen wie Luftballons beim Kindergeburtstag – besonders, wenn es um Fußball geht. Ein Wunder, dass sie nicht platzen. Und schade zugleich. Warum etwa hat es bei der Formulierung „die beste Zweite Liga aller Zeiten“ nicht längst PENG gemacht? Wann fliegt den Berichterstattern endlich das Attribut „Weltklasse“ um die Ohren, mit dem sie jeden Halbkönner bedenken, der sich beim Einwurf nicht die Arme bricht? Und wann explodiert das Unwort „Schicksalsspiel“? Hoffentlich muss es nicht erst im Vorfeld der Partie Erzgebirge Aue gegen VfR Aalen fallen. Wir sehen also: Das Schicksal ist auch nicht mehr das, was es mal war.

Das ist in gewisser Weise tröstlich, denn unser Schicksal ist es schließlich, Fußballfans zu sein. Beziehungsweise als solche bezeichnet zu werden. Was in vielen Fällen ebenfalls eine heillose Übertreibung ist. Ich für meinen Teil bin jedenfalls kein Fanatiker, ich interessiere mich bloß für diesen Sport, und das durchaus ernsthaft. Nie würde ich mich darin als wahnhaft, rücksichtslos oder weltfremd bezeichnen, würde mich nach einem 0:5 nicht entleiben oder nach einem 5:0 entkleiden. Ich freue und ärgere mich lieber im Stillen – und möchte mein Fußballinteressiertendasein nicht durch hysterische Titulierungen von außen gestört wissen. Oder würde man jemanden, der gern im Wald spazieren geht, als „Baumfan“ bezeichnen? Jemanden, der gutes Essen schätzt, als „Nahrungsfan“? Einen Vater als „Familienfan“? Wohl kaum. Deshalb fordere ich hiermit die konsequente Deflation des Fußballvokabulars. Für mich die dringlichste Sache aller Zeiten.

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