STEILPASS Fans : Ohren auf Durchzug

Dirk Gieselmann prophezeit die Ära der tauben Kuttenträger in Hoffenheim

Steckt der Hausmeister dahinter, der Vereinsboss selbst, oder ist es gar ein ganzes Dorf? Noch liegt im Dunkeln, wer in Hoffenheim die Hochfrequenz-Sirene auf die BVB-Fans gerichtet hat, um ihnen die Lust am Schmähgesang zu rauben. Von Körperverletzung ist die Rede. Hoffenheim 2011: Die Welt zu Gast bei Feinden?

Dabei ist die Methode gar nicht neu: Schon 2008 stellten die Behörden der schweizerischen Stadt Zug auf dem Areal der örtlichen Berufsschule eine Anlage auf, die jeden Abend ab 23 Uhr einen fiependen Ton aussendet. Mit dem gewünschten Erfolg: Jugendliche Vandalen meiden seither das Gelände, der Ton hat ihnen das Rauchen von Selbstgedrehten und die Zerstörung von Ligusterhecken vergällt. Die Zuger Senioren jedoch können weiterhin flanieren, wenn sie dies denn auf einem Schulhof tun möchten – ihre alten Ohren nehmen den Ton nicht wahr, zu ausgeleiert sind die Trommelfelle.

Die Hoffenheimer sollten also bedenken, dass sie mit ihrem Störapparat zwar die jungen Aggressoren verscheuchen können – doch was ist mit den Althauern? Die in die Jahre gekommenen Kuttenträger von einst hocken missmutig auf den überteuerten Sitzplätzen und füttern ihre Söhne mit Bratwurst für zehn Euro. Da hat sich viel Wut auf die Kommerzialisierung des Fußballs angestaut, auf Milliardäre zumal.

Nun stehen diese Veteranen womöglich vor der Rückkehr in den Block. Fast taub. Dafür umso lauter. Der TSG kann eigentlich nur noch die Blaskapelle Sinsheim helfen.

Dirk Gieselmann beschäftigt sich in dieser Kolumne mit den Fußballfans, Stefan Hermanns mit dem deutschen Fußball und Dominik Bardow mit dem Ausland.

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