STEILPASS Frauen : Konfetti und Pferdeköpfe Jens Kirschneck über Amokläufer

in Sachen Frauenfußball

Vor einigen Tagen fiel mein Blick auf die Schlagzeile einer großen deutschen Boulevardzeitung. „Ihr gutes Recht beim Amoklauf!“ stand dort geschrieben, was mich etwas wunderte, denn erstens wähnt Volkes Meinung, die jenes Blatt nach eigener Auffassung repräsentiert, den Amokläufer als solchen zumeist im Unrecht. Zweitens kommen Amokläufer selten heil aus solch einer Nummer heraus und haben dann auch keine Gelegenheit mehr, sich um ihr gutes Recht zu kümmern. Ich konnte aber nicht mehr lange darüber nachdenken, denn in der Redaktion stieß ich auf die Überreste eines Amoklaufes anderer Art. Wir legen unserem Magazin „11 Freunde“ alle drei Monate das Frauenfußballheft „11 Freundinnen“ bei, doch nun hatte ein Leser das Wertstück in mehrere hundert Schnipsel zerschnitten und uns das Konfetti als Ausdruck seines Widerwillens gegen den Frauenfußball zurückgeschickt. Das Zerschnipseln sollte dabei offenbar eine ähnlich symbolschwangere Handlung darstellen wie die Marotte der Mafia, jemandem einem Pferdekopf ins Bett zu legen, um anzudeuten, dass ihm der Bestatter bald das Holzsakko anlegen wird. Es war nicht die erste Unmutsbekundung unserer (männlichen) Leserschaft, und so stellt sich die Frage, was manche Männer so aggressiv daran macht, wenn Frauen Fußball spielen: dass sie gleich das Heft atomisieren, statt einfach bloß Papierflieger daraus zu basteln – „Ihr gutes Recht beim Amoklauf!“. Als ich das nächste Mal am Kiosk vorbeikam, sah ich, dass ich mich verlesen hatte. „Ihr gutes Recht beim Autokauf!“, stand dort geschrieben. Kleine Konzentrationsschwäche, pardon.

Jens Kirschneck schreibt an dieser Stelle über Frauenfußball. Stefan Hermanns blickt auf den deutschen Fußball und Markus Hesselmann beschäftigt sich in seiner Kolumne mit dem Ausland.

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