Steilpass : In der Imagefalle

Stefan Hermanns über Mirko Slomkas Rückkehr in die Bundesliga.

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Für Psychologen muss Mirko Slomka in den vergangenen Monaten ein ziemlich spannender Fall gewesen sein. Der angehende Ex-Fußballtrainer schien von einem fast krankhaften Drang nach Präsenz getrieben zu sein, die Deutsche Presseagentur hatte ihn bei „Radrennen, Marathonlauf, Modenschauen, Jugendtraining oder Benefizveranstaltung“ gesichtet – nur auf der Trainerbank ist er nicht mehr aufgetaucht, seitdem sich Schalke 04 seiner Dienste entledigt hatte. Im April 2008 war das, und seitdem, so scheint es, hat Slomka mit aller Macht gegen das Vergessen angekämpft.

Das ist schon seltsam bei einem, der vor gar nicht langer Zeit als Vorzeigemitglied einer jungen und modernen Trainergeneration galt, der mit Schalke das Viertelfinale der Champions League erreicht hat – und jetzt, nach 20 Monaten Arbeitslosigkeit, nur mit viel Gnade bei seinem Heimatverein Hannover 96 untergekommen ist, dem derzeit verzweifeltsten Klub der Bundesliga. Wie verzweifelt muss eigentlich Slomka sein?

Fachliche Qualitäten sind eben längst nicht alles, was ein Trainer für eine erfolgreiche Karriere benötigt; sein Image ist mindestens ebenso wichtig. Wolf Werner, der Sportdirektor von Fortuna Düsseldorf, hat einmal erzählt, dass er am Anfang seiner Zeit als Cheftrainer einen groben Fehler begangen habe: Er hatte sich der Öffentlichkeit als früherer Mathematiklehrer vorgestellt und nicht als ehemaliger Nahkampfausbilder bei der Bundeswehr, der er auch war. 1989 wurde Werner dann als erster Trainer überhaupt bei Borussia Mönchengladbach entlassen; er galt als zu weich, zu intellektuell für die Männerwelt Bundesliga. Ein Profiteam hat er anschließend nie wieder betreut.

Slomka ist übrigens auch Mathelehrer.

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