STEILPASS Inland : Deutsche und Brasilianer

Lars Spannagel denkt über die Karriere von Alex Alves nach.

Ein Freund von mir hat vor ein paar Jahren ein Buch geschrieben, es ging um einen Privatdetektiv in Wasserburg, der in einen Provinzfußball-Skandal hineinrutscht. Eigentlich sollte der Krimi „Der Deutsche ist kein Brasilianer“ heißen, nach einem Zitat von Berti Vogts. Der Verlag hat dann einen anderen Titel durchgesetzt, so was soll vorkommen. Am Mittwoch habe ich mich dann aus traurigem Anlass sehr intensiv mit Alex Alves und seiner Zeit bei Hertha beschäftigt. Und bin dabei zu dem Schluss gekommen: Der Deutsche ist in der Tat kein Brasilianer, aber das ist nicht so schlimm. Problematisch wird es, wenn ein Brasilianer unbedingt deutsch sein soll. Und daran scheitert.

Alex Alves hat später oft gesagt, dass es sein größter Fehler war, Deutschland und die Bundesliga verlassen zu haben. Wieso hat er das gesagt? War es nicht vielmehr sein größter Fehler, Brasilien zu verlassen? Schließlich schien der Stürmer in Berlin meist unglücklich, am falschen Platz, ewig fremd. Andere Bundesliga-Brasilianer hatten weitaus weniger Probleme damit, sich an Heimweh, Sprachbarriere, Klima, Disziplin und Taktik zu gewöhnen. Giovane Elber, Paulo Sergio oder Jorginho passten sich an, ohne ihre Spielweise und sich selbst zu verlieren. Alex Alves aber war in Berlin überfordert – genauso wie sein Verein, der nicht wusste, wie er mit seinem teuren Stürmer umgehen sollte.

Natürlich ist es müßig, darüber zu spekulieren, wie die Karriere von Alex Alves verlaufen wäre, hätte er nie bei Hertha unterschrieben. Trotzdem musste ich über diese Frage nachdenken. Ich habe mir vorgestellt, wie er für Fluminense, Palmeiras oder Vasco da Gama Tore schießt. Wie er in einem weißen offenen Hemd zur Vereins-Weihnachtsfeier kommt, eine halbe Stunde zu spät, breit grinsend. Und keiner findet es schlimm.

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