• STEILPASS Inland: Mein Freund, der Schiri Stefan Hermanns über die ewig Benachteiligten des Fußballs

STEILPASS Inland : Mein Freund, der Schiri Stefan Hermanns über die ewig Benachteiligten des Fußballs

Foto: Thilo Rückeis
Foto: Thilo Rückeis

Langsam, aber sicher entwickelt sich die Schiedsrichterbenachteiligung zu einem meiner Lieblingsthemen. Ich meine jetzt nicht die Benachteiligung durch Schiedsrichter, sondern die Benachteiligung von Schiedsrichtern. Ein Mann allein gegen alle: gegen 22 Spieler auf dem Feld, Zehntausende auf den Rängen, Millionen am Fernseher – und gegen die moderne Technik. Da muss man einfach Mitleid haben.

Damit wir uns nicht falsch verstehen: Ich finde Fehlentscheidungen ärgerlich, und ich halte sie auch nicht für ein Stilmittel der Fußballromantik; aber viel bemerkenswerter als die falschen Entscheidungen sind für mich immer wieder die Szenen, in denen der Schiedsrichter richtig liegt. Wie oft schreit man auf der Tribüne „Abseits!“, um dann hinterher kleinlaut festzustellen, dass der Mann an der Linie es doch besser gesehen hat.

Nehmen wir den vergangenen Samstag, Bremen gegen Bayern. Klaus Allofs hat sich wahrscheinlich bis heute nicht beruhigt. Es war aber auch so was von offensichtlich, dass Luiz Gustavo seinen Arm in die Flugbahn des Balles gehalten hatte und es Elfmeter für Werder hätte geben müssen. Doch Thorsten Kinhöfer ließ weiterspielen, und das, wie sich später herausstellte, völlig zu Recht. Der Schiedsrichter hatte nämlich gesehen, dass der Ball Gustavo von der Hüfte an die Hand geprallt war, dass seine seltsame Armhaltung also keine Absicht war, sondern der Versuch, dem Ball irgendwie noch auszuweichen. Was Kinhöfer in natura und Echtgeschwindigkeit korrekt wahrgenommen hatte, war im Fernsehen erst in der gefühlten 27. Wiederholung und unter Einsatz einer digitalen Lupe zu erkennen. Dabei heißt es immer, das menschliche Auge könne den ungleichen Wettbewerb gegen die moderne Technik gar nicht gewinnen. Aber das menschliche Auge sieht nicht schlechter als die Fernsehkameras. Es sieht einfach anders. Und manchmal sogar besser.

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