STEILPASS Inland : Vorsprung durch Wissen Stefan Hermanns wundert sich

über die Ignoranz vieler Fußballer

Eines der lustigsten Fußballer-Interviews, die ich je gelesen habe, ist vor elf Jahren in dieser Zeitung erschienen. Gabor Kiraly, Torhüter bei Hertha BSC, hat sich dabei nicht nur als Pflanzenfreund zu erkennen gegeben, sondern auch zugegeben, dass er nicht wusste, wer vier Monate zuvor Europameister geworden war: „Italien?!“ – „Nicht ganz.“ – „Dann eben Frankreich. Aber Italien hat geführt, oder? Ich habe mal kurz reingesehen ins EM-Finale. Da stand es 1:0 für Italien. Dann habe ich ausgeschaltet und bin Laufen gegangen.“

Heute finde ich das gar nicht mehr lustig, eher wundere ich mich, wie wenig sich manche Fußballer mit ihrem Beruf beschäftigen. Trainer berichten, dass sie im Mannschaftshotel bei Fußballübertragungen in kleiner Gruppe vor dem Fernseher sitzen, und Manuel Friedrich, immerhin mal Nationalspieler, hat sogar mit seinem Desinteresse kokettiert. Er finde es „langweilig, anderen beim Fußballspielen zuzuschauen“. Gut, wenn man Manuel Friedrich zuschauen muss …

Dabei ist das ja durchaus ein ernstes Thema, wie die Aufregung der Hoffenheimer gezeigt hat, nachdem sie sich am ersten Spieltag durch einen schnell ausgeführten Freistoß von Hannovers Jan Schlaudraff hatten foppen lassen – und anschließend mit der Ansicht, der Schiedsrichter hätte erst den Ball freigeben müssen, ihre Ignoranz offenbarten. Es ist erschreckend, wie viele professionelle Fußballer die Regeln ihres Spiels nicht kennen. Jan Schlaudraff hat übrigens später erzählt, er habe die Situation nur deshalb so schnell erfasst, weil er sich bei gegnerischen Freistößen immer so lange vor den Ball stellen soll, bis seine Kollegen eine Mauer gebildet haben. Mehr zu wissen muss eben kein Nachteil sein.

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