Steilpass-Kolumne : Jürgen Klopp: Der moderne Prometheus

Jürgen Klopp bleibt auch in den schlechten Zeiten der Titan von Dortmund-Brackel: Verschleppt in die tiefste Einöde des Tabellenkellers, an die schweren Ketten des Misserfolgs geschmiedet. Fast wie Prometheus.

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"Solange keiner kommt und mir sagt, wir haben einen, der es besser macht, kann ich ja gar nicht gehen!" Jürgen Klopp, 2014 n. Chr.
"Solange keiner kommt und mir sagt, wir haben einen, der es besser macht, kann ich ja gar nicht gehen!" Jürgen Klopp, 2014 n. Chr.Foto: rtr

Eines fernen Tages, wenn unsere Nachfahren in den Trümmern unserer Zivilisation eine versteinerte „Sport-Bild“ finden und die Artikel darin mit demselben Befremden betrachten, mit dem wir heute auf die Wagenrennen der alten Griechen zurückblicken, mag die Geschichte von Borussia Dortmund endlich ein Mythos für sich geworden sein: der Abstieg der Borussen aus der Gemeinsamkeit mit den Bayern ins gegenwärtige mühselige Leben. Und Trainer Jürgen Klopp ist darin natürlich der Prometheus, Feuerbringer und Lehrmeister des Vereins. Er formte ihn einst aus dem Ton, den er unter der Grasnarbe des Trainingsgeländes ausgegraben hatte, zu einem Geschlecht, das ihm gleich sei, zu leiden, zu weinen, zu genießen und sich zu freuen, vulgo: ENJOY!

Und er bleibt natürlich auch in den schlechten Zeiten der Titan von Dortmund-Brackel: Plötzlich verschleppt in die tiefste Einöde des Tabellenkellers, ohne Speis, Trank und Punkte, an die schweren Ketten des Misserfolgs geschmiedet, muss er ausharren. Seht, da fliegt der Eintracht-Adler heran und frisst ihm ein Stück Hoffnung weg!

Wind, Wolken, Zorc und Dickel sind die Zeugen seiner Pein. Doch er ruft: Wähntest du etwa, ich sollte das Leben hassen, in Wüsten fliehen, weil nicht alle Blütenträume reiften? Und weiter: Solange keiner kommt und mir sagt, wir haben einen, der es besser macht, kann ich ja gar nicht gehen! Und auf dem Trainerolymp kratzt sich Pep Guardiola am Kopf: Wovon redet dieser Mensch? Neben ihm thront Peter Neururer, das Karohemd hat er sich bereits vom Leib gerissen: Ich glaube, er meint mich. Ich gehe jetzt und befreie ihn.

Dirk Gieselmann schreibt an dieser Stelle über die Fans im Fußball, Lars Spannagel schreibt über den deutschen Fußball und Dominik Bardow beschäftigt sich in seiner Kolumne mit dem Ausland.

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