Steilpass : Liverpool 0 Lüdenscheid 4

Nicht mehr nur Autobauer, Wimbledon-Sieger und Diktatoren: Markus Hesselmann über englische Bewunderung für deutsche Fußballkultur.

Markus Hesselmann

Die Tatsache ist schmerzlich, vor allem für hartnäckige Schalker: Das beste Stadion der Welt steht nicht in Nou Camp, San Siro oder an der Anfield Road – und schon gar nicht in Gelsenkirchen-Erle. Es steht in Lüdenscheid-Nord, der verbotenen, unaussprechbaren Stadt. Die Londoner „Times“ hat das Westfalenstadion in ihrer weltweiten Top Ten der Fußballarenen auf Platz eins gesetzt. „Borussia Dortmunds Stadion ist ein Klassiker“, heißt es in der Laudatio. Zwei riesige Stehtribünen „schleudern Lärm hinunter auf den Platz mit ohrenbetäubender Intensität“. Diese Arena sei gebaut für den Fußball und für die Fans, damit sie sich Gehör verschaffen.

Die Engländer bewundern nicht nur deutsche Autobauer, deutsche Wimbledon-Sieger und deutsche Diktatoren, die Dinge geregelt kriegen. Die Erfinder des Fußballs lieben unsere Fußballkultur. Das Lob der „Times“ ist ein weiteres Indiz – und ein weiterer Ansporn, nicht dieselben Fehler zu machen wie auf der Insel. Dort töten hohe Eintrittspreise, wechselnde schwerreiche Klubeigner oder die Unterwerfung des Fußballs unter Fernsehbelange die Fankultur im Stadion. Gerade erst haben wir mit dem weiter aufgesplitteten Bundesligaspieltag einen Schritt in die falsche Richtung gemacht.

Die Anfield Road, das immer noch mit Abstand stimmungsvollste englische Stadion, liegt in der „Times“-Liste übrigens nur auf Platz drei. Auf dem zweiten Platz steht San Siro. Da war doch was, 1997... Immerhin ein Trost für hartnäckige Schalker.

— Markus Hesselmann schreibt hier freitags im Wechsel mit Stefan Hermanns und Philipp Köster.

0 Kommentare

Neuester Kommentar