Steilpass : Mäßig gespielt, Rübe ab!

In der Bundesliga hatte es quasi jeder Klub in dieser Saison mindestens einmal mit einer Busblockade zu tun. Jens Kirschneck über die Lebenserwartung der Profis.

Jens Kirschneck

Die Szenerie war vorhersehbar. Kaum hatte der VfL Bochum ligaverbleibstechnisch ins Gras gebissen, war im Stadion die Hölle los. Blanke Wut, vermummte Gestalten, einer warf einem Ordner mit solcher Vehemenz ein Sitzmöbel ins Kreuz, dass der jetzt mit Sicherheit auf Monate hinaus Fangopackungen benötigt. Kein Einzelfall in den letzten Monaten. In Berlin spielte sich vor einiger Zeit ähnliches ab, und überhaupt: In der Bundesliga hatte es quasi jeder Klub in dieser Saison mindestens einmal mit einer Busblockade zu tun. In Stuttgart rief der Mob im letzten Herbst: „Wenn ihr absteigt, schlagen wir euch tot!“ Spätestens an diesem Punkt hat der Fußball ein Problem, rein mathematisch schon. Denn ein paar müssen ja immer absteigen. Die Liga hat die Zahl der zu degradierenden Klubs bereits von 3 auf 2,5 reduziert, um der Genfer Menschenrechtskonvention zu entsprechen – und dennoch.

Es kommt als Spieler jetzt also drauf an, bei welchem Verein du bist. Beim FC Bayern München: keine große Gefahr für Leib und Leben. Beim VfL Bochum, ohne dem sympathischen Verein aus dem Ruhrgebiet zu nahe treten zu wollen: Exituswahrscheinlichkeit 50 Prozent. Leicht unternormaler Saisonverlauf – und schon ist die Rübe ab. Da überlegt man es sich als potenzieller Bochumer Profi in Zukunft zweimal, ob man dort anheuert. Denn die meisten hängen ja doch an ihrem kümmerlichen bisschen Leben, auch wenn das Klima vor die Hunde geht und der Euro immer schwächer wird. Was also ist zu tun? Gelassenheit wäre nicht schlecht. Der Fußballfan muss ja nicht dauernd explodieren, das erledigt schon der isländische Vulkan Eyjafjallajökull für ihn. Meine Oma pflegte zu sagen: „Wenn du denkst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her.“ Und sei es, dass jetzt erstmal ein paar Wochen Pause ist. In diesem Sinne.

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