Steilpass : Tippen mit System

Fußballfans verzeihen vieles, nur nicht den Verrat an ihrem Klub. Stefan Hermanns über die Probleme mit Zweitlieblingsvereinen.

Man darf sich zwar neben seiner Ehefrau noch eine Geliebte halten, aber wehe es gibt neben dem Lieblingsverein einen Zweitlieblingsverein. Ausgeschlossen! Insofern bin ich ein elender Verräter, ich leide unter dem Schröder-Syndrom, weil ich in dieser Saison mindestens 13 Vereinen anhänge: Chelsea, Celtic, Real, Galatasaray, Anderlecht und noch ein paar anderen. Das liegt daran, dass ich an einer kleinen Wettrunde teilnehme, in der wir die Meister diverser Länder getippt haben, also Chelsea, Celtic, Real … (s. o.), weshalb ich mich jetzt freuen muss, wenn Chelsea, Hassklub aller Fußballromantiker, gegen Arsenal, Lieblingsklub aller Fußballromantiker, gewinnt, obwohl ich doch selbst Fußballromantiker bin.

Das führt zu der Grundsatzfrage, ob man sich beim Tippen eher von Kompetenz oder Sympathie leiten lassen sollte. Ich kenne genügend Leute, die immer gegen ihren Klub tippen – wenn er schon verliert, gibt es wenigstens noch Punkte im Tippspiel. Manche halten das für moralisch verwerflich, aber auch ich hänge latent dieser Schule an; im Zweifel siegt jedoch die Kompetenz: Bei Bielefeld gegen Gladbach müsste man ziemlich blöd sein, nicht auf Gladbach zu setzen.

Mein größtes Problem sind die Sonntagsspiele. Sonntagsspiele kann ich nicht. Voriges Wochenende zum Beispiel. Punktbester am Samstag, Sonntag dann: drei Spiele, null Punkte. Ich weiß nicht, welches System dahintersteckt, ich weiß nur, dass System dahintersteckt. Was auch immer ich am Sonntag tippe, es tritt nicht ein. Diesen Sonntag gibt es zum Glück nur ein Spiel, Bremen gegen Köln. Ich werde auf Köln setzen. Aus echter Sympathie natürlich.

— Stefan Hermanns schreibt an dieser Stelle im Wechsel mit Philipp Köster.

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