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Steilpass : Wir Deutschen - die besseren Südländer?

Wer einen Elfmeter "herausholt", erhält bei uns eine anerkennende Erwähnung und wird sogar statistisch gewürdigt. Markus Hesselmann wundert sich über eine neue deutsche Tugend.

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Bestimmt kein Schwalbenkönig... Aber warum muss man Bayerns Thomas Müller gleich dafür feiern, dass er gegen den Baseler Benjamin Huggel einen Elfmeter "herausgeholt" hat? Foto: dpa
Bestimmt kein Schwalbenkönig... Aber warum muss man Bayerns Thomas Müller gleich dafür feiern, dass er gegen den Baseler Benjamin...Foto: dpa

Kein Schlitzohr mehr, nirgends. Diese fußballdramaturgische Nebenrolle, in Ernst Hubertys besten Zeiten meist südländisch besetzt, wurde aus dem Rasen-Ensemble gestrichen – zusammen mit dem Bomber und dem Fliegenfänger. Eine der Fertigkeiten des Schlitzohrs, das Fallen im Strafraum, bleibt aber präsent. Und wird in Deutschland auch noch sprachlich gewürdigt. Oder was sonst soll die landläufige Formulierung „einen Elfmeter herausholen“ bedeuten? Und gibt es für diese Formulierung in ihrer positiven Konnotation in den anderen großen Fußballsprachen eigentlich Entsprechungen?

Einen Strafstoß – sagen wir mal vorsichtig – zu verursachen, wird bei uns anerkennend vermerkt: Von der U17 des FC Bürgstadt („Elfmeter herausgeholt von Dominik“) bis zu Thomas Müller in der Champions League. Einschlägige Statistiken listen Elfmeterherausholer als Torvorbereiter auf.

Das fröhliche Herausholen ist eine deutsche Tugend. Ein Schwenk in andere Ligen legt das nahe. In England gibt es zwar den Ausdruck „to win a penalty“. Doch der wird fast immer in Zusammenhang mit der Kritik an einer Schwalbe („dive“) verwendet. Und „Diver“ (Taucher, Springer) sind auf der Insel Schwerkriminelle.

In Spanien wird der Strafraum für Elfmeter-Taucher sogar zum Schwimmbad („piscina“). Herausgeholt wird da allerdings nichts. Und Italien? Mein ebenso sprach- wie fußballkundiger Gewährsmann nennt das Wort „provocare“, dem allerdings jeder positive Unterton fehle. Ein Leser des "Handelsblatts", auf dessen Internetseite diese Kolumne auch erscheint, weist mich dann allerdings im Forum auf eine wohlklingende, aber Scheußliches verbergende Formulierung hin: "Procurarsi un rigore". In Italien werden Elfmeter demnach nicht "heraus-", sondern "eingeholt", wörtlich übersetzt. Mein Italien-Gewährsmann würde den Begriff mit "sich einen Elfmeter besorgen" übersetzen und meint, das sei ohnehin nicht sehr geläufig. Wie auch immer: Wir deutschen Schlitzohren können mithalten, mindestens!

Und was meinen Sie? Kennen Sie noch andere Begriffe, die in Richtung "Elfmeter herausholen" gehen, gern auch aus anderen als den hier genannten Sprachen? Kommentieren und diskutieren Sie mit! Nutzen Sie dazu bitte die einfach zu bedienende Kommentarfunktion etwas weiter unten.

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