Stephen Lee : Das Biest von Trowbridge

Am vergangenen Dienstag wurde der englische Snooker-Profi Stephen Lee für zwölf Jahre wegen Spielmanipulation gesperrt. Keine gute Nachricht für eine Sportart, die dringend ein positiveres Image braucht.

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Der 38-jährige Stephen Lee erhält wegen Wettbetrug eine Sperre um zwölf Jahre. Foto: dpa/picturealliance
Der 38-jährige Stephen Lee erhält wegen Wettbetrug eine Sperre um zwölf Jahre.Foto: dpa/picturealliance

Was haben der Sport Snooker und die Stadt Trowbridge gemeinsam? Beide brauchen dringend ein positiveres Image. Das Spiel auf dem grünen Tuch versucht gerade, die glorreiche Popularitätshöhe der Achtziger Jahre wiederherzustellen, während die Hauptstadt des englischen Countys Wiltshire momentan nur als Heimat des „Biests von Trowbridge“ bekannt ist – ein wie ein Panther aussehendes Tier, das angeblich um die Stadtumgebung geht.

Was weder Snooker noch Trowbridge brauchen ist – Stephen Lee.

Denn aus Trowbridge kommt der 38-jährige Snooker-Profi, der am Dienstag ein zwölfjähriges Spielverbot wegen Spielmanipulation erhielt. In sieben verschiedenen Matches zwischen 2008 und 2009 soll Lee entweder ganze Spiele oder einzelne Frames manipuliert haben. Es ist nicht nur die längste Sperre in der Snookergeschichte, dazu kommt auch noch eine Geldstrafe für Lee in Höhe von 40.000 Pfund.

Damit ist die Karriere des Engländers praktisch beendet. Lee beteuert allerdings weiterhin seine Unschuld. Im Interview mit der BBC nannte er das Urteil am Mittwoch „empörend“ und beklagte sich darüber, dass seine Kinder in der Schule wegen ihm verspottet worden seien.

Der Mann aus Trowbridge beharrt darauf, zum Sündenbock gemacht worden zu sein. Allen Beweisen zufolge scheint er aber schuldig. Ein Prozessbericht über 35 Seiten belegt dies. Dazu hat sich die Mehrheit seiner Profi-Kollegen mit dem Urteil einverstanden erklärt.

Außerhalb des Snookers fallen die Reaktionen verhaltener aus – sofern überhaupt jemand davon Notiz nimmt. Trotz der Schwere des Falles hat Lee für kaum eine Schlagzeile auf den Aufmacherseiten im Sportteil einer britischen Zeitung gesorgt. Es gab den ein oder anderen Witz über das Verschwinden des immer leicht übergewichtigen Snooker-Spielers. Ansonsten bleibt es erstaunlich ruhig in den britischen Medien, was viel über die aktuelle Popularität des Snookers auf der Insel aussagt.

Auch Vergleiche zum Fall John Higgins wurden bislang nur vorsichtig gezogen. Higgins erhielt 2010 eine Sperre von sechs Monaten, nachdem er den Weltsnookerverband nicht auf einen Bestechungsversuch hingewiesen hatte. Das Angebot hatte damals die inzwischen eingestellte englische Sonntagszeitung „News of the World“ zum Schein gemacht – und dafür viel Kritik einstecken müssen. Higgins selbst wurde eher als naives Opfer betrachtet.

Ähnlich sieht es auch im Fall Stephen Lee aus. Viele Kommentatoren und Profikollegen haben nicht nur Kritik geübt, sondern auch Mitleid mit Lee. Sie glauben, dass er letztendlich Opfer seiner finanziellen Problemen wurde und deshalb der Versuchung nicht widerstehen konnte. Mark King, Freund und Gegner in einem der manipulierten Spiele, drückte es so aus: „Stephen ist ein super Typ. Seine Familie tut mir leid, aber als Spieler habe ich für ihn keine Sympathie.“

Wirklich intensiv diskutiert wurde eigentlich nur die Länge der Sperre. Nur weil Lees Manipulationen in einen Zeitraum fielen, in denen noch der alte Strafenkatalog des Snookerverbandes galt, entging er einer lebenslangen Sperre. In Großbritannien gibt es dazu aufgrund ähnlicher Fälle im Cricket durchaus unterschiedlichen Meinungen. Statt langer Sperren seien andere Lösungen des Problems notwendig.

Für Lee kommen solche Überlegungen aber wohl zu spät. Die besten Jahre seiner Karriere liegen ohnehin hinter ihm, im fortgeschrittenen Alter ist es selbst für die zu ihrer Zeit größten Spieler nahezu unmöglich, mit den Jüngeren mitzuhalten. Da könne er dann auch gleich aufhören, erklärt Lee, denn „wenn ich 50 bin, würde mich sogar mein Vater schlagen“.

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