Sterne des Sports : Sport ist noch ein Kinderspiel

Ein Mainzer Verein erhält den Großen Stern in Gold. Mit einer einfachen Idee setzt sich der TSV Schott gegen 91.000 Konkurrenten durch.

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Gesichtsgymnastik. Sigmar Gabriel (Mitte) und Alfons Hörmann bei den Sternen des Sports.
Gesichtsgymnastik. Sigmar Gabriel (Mitte) und Alfons Hörmann bei den Sternen des Sports.Foto: dpa

Auch mit einer ganz einfachen Idee lässt sich im Wettbewerb mit 91.000 Konkurrenten der erste Preis gewinnen. Unter allen deutschen Sportvereinen ist der TSV Schott Mainz am Montag dafür ausgezeichnet worden, Kinder und Jugendliche für Bewegung zu begeistern. Nicht speziell für eine Sportart, sondern allgemein für Spielen und Rennen und Toben. Der größte Breitensportverein aus Rheinland-Pfalz mit 4400 Mitgliedern, die Hälfte davon Kinder und Jugendliche, hat für seine Kindersport-Akademie den „Großen Stern des Sports in Gold“ bekommen und 10.000 Euro dazu.

Die Sterne des Sports sollen die leuchtenden Vorbilder sein, was Vereine in Deutschland alles leisten. Einmal im Jahr werden die besten Vereine aus jedem Bundesland nach Berlin eingeladen und geehrt, und was die Klubs sich als Projekte ausgedacht haben, erzählt dabei auch einiges über die Sorgen dieser Gesellschaft.

Sieben der 18 Vereine der finalen Runde kümmern sich besonders um Integration, manche wollen Migranten einbinden, andere Menschen mit geistiger oder körperlicher Behinderung. Ein Verein aus Thüringen, die Weimarer Bowlingfüchse, hat sich den Geschwistern krebskranker Kinder angenommen, weil für sie oft nicht genügend Raum bleibe.

Den ersten Preis gewann jedoch ein Verein mit einem allgemeinen Angebot, und wenn man darin etwas hineinlesen will, dann wohl, dass Bewegungsmangel von Kindern und Jugendlichen als Problem ernst genommen wird. Der ausgezeichnete Mainzer Verein verzichtet dabei auf eine frühe Spezialisierung auf eine Sportart, die wissenschaftlich ohnehin abgelehnt wird. Wer sich früh auf eine Sportart spezialisiert, hört auch in der Regel früher mit dem Sport wieder auf. Die Mainzer schaffen dagegen mit ihrem Angebot die Basis für eine lebenslange Sportbiografie.

Seit zehn Jahren werden die Sterne des Sports vergeben, die Preisverleihung ist auch eine Feierstunde für das Vereinswesen an sich. „Trotz demografischer oder sonstiger Probleme: Der Verein hat an Anziehungskraft nichts verloren“, sagte Alfons Hörmann, der neue Präsident des Deutschen Olympischen Sportbundes, „in der Zeit, in der wir über die Wutbürger sprechen, haben wir hier die Verantwortungsbürger.“

Auch von Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel, der in Vertretung der sportverletzten Bundeskanzlerin die Sterne überreichte, durften sich die Vereine warme Worte anhören: „Ich komme ja aus der Provinz, und Vereine halten da die Dörfer zusammen.“ Gabriels Botschaft ging an die eigene Adresse: „Die Politik muss aufpassen, dass der Sport und die Ehrenamtlichen ihre Aufgaben noch bewältigen können. Dazu bedarf es einer Grundfinanzierung, die wir nicht infrage stellen dürfen.“

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