Sport : Sternstunden im Sportforum

Der BFC Dynamo spielt in neuen Trikots – und verliert

Christian Hönicke

Berlin - Mitte der ersten Halbzeit betritt Jürgen Bogs das Stadion. „Ich hab im Videotext davon erfahren“, sagt er. Bogs ist gekommen, um den neuen Star des Berliner FC Dynamo zu sehen. Der Trainer der großen BFC-Elf der Achtziger ist nicht allein. 1162 Zuschauer wollen das Spiel zwischen dem BFC und den Amateuren von Energie Cottbus sehen. Sogar Fernsehteams haben sich eingefunden, doch sie sind nicht wegen eines Spielers hier. Der neue Star des BFC sind die Sterne; drei, um genau zu sein. Am Freitag schmücken sie erstmals das weinrote Trikot.

Normalerweise rufen Begegnungen mit BFC-Beteiligung weit weniger Interesse hervor. Der Klub spielt nur noch in der Oberliga, seine Heimspiele trägt er im kleinen Sportforum Hohenschönhausen aus, das den Betoncharme der untergegangenen DDR atmet – jenem Land, in dem der Klub Rekord-Fußballmeister war. Zehn Titel hat Dynamo zwischen 1979 und 1988 geholt. Manchmal nicht ganz mit redlichen Mitteln: Dann und wann half Stasi-Chef Erich Mielke etwas nach, um seinem Lieblingsspielzeug den Sieg zu sichern. Nicht nur einmal pfiffen Schiedsrichter in der letzten Minute einer Begegnung fragwürdige Elfmeter.

Lange musste der BFC dafür kämpfen, dass der Stadionsprecher die Heimmannschaft als „Drei-Sterne-Klub“ ankündigen darf. Die Deutsche Fußball-Liga (DFL) wollte diese Ehrung ursprünglich nur für in der Bundesliga errungene Meisterschaften vergeben: ein Stern für drei Titel, zwei für fünf, drei für zehn. Deswegen durfte bislang nur der FC Bayern München drei Sterne tragen. Seit Freitag tut es auch der BFC Dynamo, obwohl eine endgültige Entscheidung noch aussteht. Das nennt man Fakten schaffen.

Die Fans haben zur Feier des Tages eine neue Werbebande entworfen. Wortlaut: „Wir sorgten für Sternstunden“. Am Freitag kommt keine hinzu, Cottbus führt bald 1:0. Die BFC-Anhänger trösten sich mit den neuen T-Shirts, die es am Fanstand für 15 Euro zu kaufen gibt, wahlweise mit goldenen oder weißen Sternen. „Die Sterne sind eine Ehre für mich und den BFC“, sagt Jürgen Bogs, der im Sportforum noch immer Trainer gerufen wird, obwohl inzwischen Christian Backs auf der Bank sitzt. Dass die ganze Stasi-Geschichte jetzt noch einmal hoch kommt, versteht Bogs nicht. „Man soll doch die Vergangenheit ruhen lassen.“ Das wird schwer, weil sie jeder BFC-Spieler jetzt doch so gut sichtbar auf seiner Brust trägt.

Aber auch Bogs muss zugeben, dass das aktuelle Team der Auszeichnung nicht gerecht wird. „Man kann sich eben nicht immer aussuchen, wann man seine Sterne kriegt“, sagt er. Verzweifelt rennt der BFC gegen den 0:1-Rückstand an. In der letzten Minute sinkt ein Berliner im Strafraum zusammen – der Schiedsrichter pfeift. „Elfmeter!“, rufen einige und jubeln. Nein, Abstoß. Die Zeiten haben sich geändert.

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