Sport : Steuergeld für Epo-Spritzen

Friedhard Teuffel

Gut, dass manche Menschen ihren Beruf wechseln. In diesem Fall war es äußerst hilfreich, dass ein Masseur sich entschieden hat, Schriftsteller zu werden. Der belgische Pfleger Jef d’Hont hat mit seinem Enthüllungsbuch über den Betrug beim Team Telekom eine Lawine von Geständnissen losgetreten. Egal, ob er es geschrieben hat zur Warnung an Kinder und Jugendliche oder einfach nur, um Geld zu verdienen: Wieder einmal waren es kuriose Umstände, die den großen Betrug ans Licht der Öffentlichkeit gebracht haben – und nicht Aufklärung oder Ermittlungen von Staat und Sportverbänden.

Doch der Staat muss sich jetzt rechtfertigen, wie sein Beitrag in der Dopingbekämpfung aussieht. Nicht etwa, weil es eine ureigene Aufgabe des Staates wäre, den sportlichen Wettbewerb zu schützen. Sondern weil er den Sport mit Millionen subventioniert. Steuergeld für Erythropoetin? Öffentlich subventionierte Testosteronpflaster?

Zwei Möglichkeiten hat der Staat nun: Entweder er stellt die Spitzensportförderung ein, mindestens für den Radsport, aber besser noch für andere verseuchte Sportarten wie die Leichtathletik und Schwimmen. Aber das sollte das letzte Mittel sein. Die bessere Möglichkeit besteht im Moment darin, die Gesetze zu verschärfen und die eigene Infrastruktur zu verbessern.

Bis heute gibt es in Deutschland kaum Staatsanwälte, die sich mit Doping auskennen, obwohl es beim Handel mit Dopingsubstanzen längst um organisierte Kriminalität geht. Gut möglich, dass sie, wie im vergangenen Jahr die Staatsanwaltschaft Magdeburg, schon das ein oder andere Doping-Netzwerk übersehen haben. Oft erklären deutsche Ermittlungsbehörden, sie hätten keine Informationen, um eine Fahndung einzuleiten. Die Vielzahl an Geständnissen zeigt jedoch, dass es gar nicht so schwer sein dürfte, etwas zu finden.

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